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 Saisonbilanz Crédit Agricole Steamboat 15.11.2005 07:26

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15.11.2005 07:26

Steamboat
Tour-Sieger

Dabei seit: 29.12.2001

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Saisonbilanz Crédit Agricole

Crédit Agricole hat seit Jahren den Charme des etwas anderen Teams. Da werden schon mal eigene Wünsche und Ziele vergessen, um Teamkollegen oder auch anderen Fahrern zu helfen. Das war in der Vergangenheit so und auch 2005 gab es von diesem Charakter eine Kostprobe.

Die Intention, wichtige Sekunden im Gesamtklassement sich zu sichern, ließ Christophe Moreau bei der 9. Etappe der TdF von Gerardmer nach Mulhouse außer Acht. Zusammen mit seinem ehemaligen Teamkollegen und Jens Voigt hatte er in einer zweiköpfigen Verfolgung vom Führenden Michael Rasmussen (Rabobank) aufgenommen. Der Deutsche erlitt einen Defekt am Rad. Moreau hätte alleine weiter fahren können, um so wichtige Sekunden gut machen können. Nach Rücksprache mit Teammanager Roger Legeay wartete er aber auf Voigt, der seinerseits auf dem Weg war, zumindest für einen Tag ins Gelbe Trikot zu schlüpfen. Meines Erachtens war dieses die fairste Szene der diesjährigen Austragung. Voigt revanchierte sich gegenüber seinem alten Rennstall, als er in der Zielpassage demonstrativ aus der Getränkeflasche trank und Moreau natürlich Vortritt ließ, anstatt den zweiten Etappenplatz auszusprinten.

Freilich ist so viel Großzügigkeit zwangsläufig nicht immer vom Team zu erwarten. Erfolge sind erwünscht, obgleich sie in den Zeiten der Pro Tour keine Selbstverständlichkeiten für das Team darstellten.

Kapitänsrollen

Thor Hushovd


Ein Wikinger sorgte bei der französischen Equipe für den größten Saisonsieg. Thor Hushovd blieb zwar bar jeden Etappensieges (er wurde bei den Etappen ein Mal Zweiter und ein Mal Dritter), dennoch gewann er das Grüne Trikot des Punktbesten. Dabei kam ihm die Konstellation zu Gute, dass Hauptkonkurrent McEwen wegen unsauberer Fahrweise bei einer Etappe distanziert wurde. Ferner profitierte der Norweger auch davon, dass mit Ausnahme von Davitamon-Lotto kaum ein Team in der Abschlusswoche gewillt war, Ausreißer wieder einzufangen, dadurch wurden für die Zielankünfte des Hauptfeldes weniger Punkte ausgegeben, so dass Hushovd seinen Vorsprung in der Sonderwertung verteidigen konnte. Am Ende hatte er gar das Quäntchen Glück, dass in Paris Winokurow einen langen Sprint wagte, um auf der Champs Elyssee zu gewinnen. Damit war Hushovd das Grüne Trikot endgültig nicht mehr zu nehmen.

Den Etappensieg bei einer GT reichte er bei der Vuelta nach. Auf der 5. Etappe von Alcazar de Juan nach Cuenca konnte er den Sprint gewinnen, nachdem die Hauptkonkurrenten – allen voran Petacchi – bereits abgehängt waren. Jener Petacchi war es schließlich, der dem Skandinavier bei Mailand-San Remo zuvor kam. Auch Danilo Hondo konnte noch vor Hushovd die Ziellinie überfahren, aber der Norweger sicherte eine Podiumsplatzierung bei einem Klassiker. Im Übrigen wurde er im Rahmen der Vuelta noch zwei Mal Zweiter (immer hinter Petacchi), bevor er die Spanien-Rundfahrt verließ, um bei der WM sein Glück zu versuchen. Dort blieb dieses ihm aber nicht hold.

Dennoch war Hushovd der Fahrer 2005 bei Crédit Agricole. Seine Erfolge lassen sich lang aufreihen. Er gewann eine Etappe sowie die Punkt-Wertung bei der Volta a Catalunya. Auch bei der Dauphine Libere reckte er nach einem Tagesabschnitt seine Arme gen Himmel. Bei Gent-Wevelgem tat er dieses zwar nicht. Aber es reichte zum 5. Platz. In der Hölle des Nordens wurde es Platz 9. Als bester seines Teams wurde er am Ende 33. der Pro Tour Wertung.

Zudem feierte er den Sieg im Einzelzeitfahren seines Heimatlandes. Um ein sehr erfolgreiches Jahr abzurunden, gewann er je eine Etappe bei „4 Tage von Dünkirchen“ (2. HC) und Tour de Limousin (2.1). Während der Saison verlängerte der Norweger trotz anderer lukrativer Angebote beim französischen Team seinen Vertrag.

Christophe Moreau

In Frankreich verfolgt natürlich jedes einheimische Team das Ziel, bei der Tour de France gut abzuschneiden. Eigentlich soll der beste ja aufs Podium kommen. In diesem Punkte liegen Anspruch und Realität seit Jahren meist weit auseinander. Nichtsdestotrotz nahm Christophe Moreau dieses Ziel wieder in Angriff. Er wurde – um es vorweg zu nehmen – bester Franzose im Gesamtklassement – nämlich Elfter.

Wie oben ausführlich beschrieben, schaffte er einen zweiten Etappenplatz und bei der 11. Etappe von Courchevel nach Briancon wurde es der dritte Platz. Für einen Fahrer französischer Nationalität ganz ordentlich – sollte man annehmen. So dachte auch Moreau und kritisierte, dass er über eine mögliche Verpflichtung von Winokurow als neuem Kapitän nicht informiert worden sei. Moreau verkannte, dass ihm dieses herausragende Standing im Team nicht zu gestanden wurde. Er verkalkulierte sich und nun hat Crédit Agricole keinen Winokurow – und keinen Moreau mehr. Zudem wechselte auch der Landsmann von Winokurow, Andrej Kashechkin - bei der Tour immerhin 19 – zu allem Überfluss von Crédit Agricole zu Liberty Seguros, dem Neuen Team des blonden Kasachen. Schon bei der Tour hatte Kashechkin – wohl auch zum Unwillen seiner Leitung – "Vino" geholfen und zeitweilig unterstützt. Damit fehlt Crédit Agricole künftig der Mann für das Gesamtklassement der Tour de France.

Diese Position könnte zwar Pietro Caucchioli bekleiden. Allerdings soll der schon die Fahnen des Giros hoch halten. So wie 2005, als der Italiener bei der Italien-Rundfahrt den achten Platz belegte, wird Crédit Agricole diese Karte spielen. Caucchioli schob bei der Tour einen 3. Etappenplatz während der 15. Etappe nach. Aber damit waren seine Kräfte verbraucht, die ihn im Rahmen der Pro Tour auf den 80. Platz führten. Das sind drei Plätze hinter Moreau, der seine Position durch einen 9. Platz bei der Volta A Catalunya untermauerte. Kashechkin blieb in der Pro Tour Wertung der 125. Platz, den er auch durch einen 9. Platz bei der Dauphiné Libere festigte.

Pro Tour-Ergebnisse

Auf dem 136. Platz finden sich u.a. zwei Fahrer von Crédit Agricole ein. Der eine ist der erfahrene Routinier Patrice Halgand. Er belegte bei der Flachland-Rundfahrt Tirreno-Adriatico den 9. Platz. Halgand siegte bei einer Etappe der Route du Sud (2.1), um auch einen Saisonsieg zu feiern.

Saul Raisin ist der andere. Der Amerikaner ergatterte die 9. Position der Deutschland-Tour. Schon mehrt er die Hoffnung, der als 8. den Rettenbachferner erklomm, dass er bereits 2006 zu den aufstrebenden Fahrern mit Erfolgspotential gehört. Um diesen Eindruck zu bestätigen, muss man aber die Deutschland-Tour genauer betrachten und kritisch würdigen.

Diese Rundfahrt lag 2005 zu einem sonderbaren Zeitpunkt. Einerseits konnte sie nicht mehr als Vorbereitungsrundfahrt zur Vuelta dienen, da diese sich zeitlich überschnitten, andererseits trafen sich zu dieser Rundfahrt einige Fahrer, die ihren Saisonhöhepunkt – Tour de France - bereits hinter sich hatten. Folglich zeigen sich bei solcher Rundfahrt die Fahrer vordergründig vorne, die bei dieser Rundfahrt besondere Ambitionen haben – also eher Fahrer deutscher Nationalität bzw. Fahrer aus deutschen Teams. So verwundert es nicht, dass auf die ersten vier Platzierten genau diese Eigenschaft zutrifft. Vielleicht pedaliert noch der eine oder andere mit, der in der Pro Tour-Wertung etwas erreichen möchte - z.B. Di Luca, viele lassen sich aber auch nur ausrollen und kamen der Verpflichtungen, die sie der Pro Tour schulden, nach. Das ist dann natürlich ein idealer Ort für Nachwuchsfahrer, um dann in das Business reinzuschnuppern und entsprechend Erfolge zu feiern. Das ist ja auch gut so, soll aber nicht zu falschen Schlüssen führen. Mit anderen Worten, man möge dieses Abschneiden von Raisin nicht überbewerten.

Hushovd war nicht der einzige Fahrer des Teams, der bei einer GT einen Tagesabschnitt holte. Beim Giro setzte sich Christophe Le Mevel auf dem Abschnitt von Lissone nach Varazze mit einer Gruppe ab, um schließlich diese Etappe zu gewinnen. Immerhin 147. wurde er in der Pro Tour Wertung – wie auch der Este Jan Kirsipuu, der diesen Rang durch einen Etappensieg der Polen-Rundfahrt und durch einen zweiten Platz bei einer Giro-Etappe sicherte. Wie immer stieg er bei der Tour de France auch bei seiner 13. Teilnahme vorzeitig aus. Auch eine Leistung.

Der Balte wurde übrigens noch estnischer Meister im Zeitfahren und behielt sich einen Etappensieg bei der Tour du Poitou Charentes et de la Vienne (1.1) vor. Sein Teamkollege, Dimitri Muravyev, aus Kasachstan wurde kasachischer Zeitfahrmeister.

Zu guter Letzt zeigte der Neuseeländer, Julian Dean, dass auch Kiwis Rad fahren können. Er wurde Siebter bei Paris-Tour und somit 125. der Pro Tour-Einzelwertung.

Das Team belegte in der Pro Tour Teamwertung den 9. Rang. Crédit Agricole erwies sich als eine Mannschaft, die ein etwas stärkeres Profil bei den Rundfahrten als bei den Klassikern bewies. Sieben Platzierungen im Gesamtklassement auf Pro Tour Rängen stehen vier Sprüngen in die Top Ten der Eintagesrennen gegenüber. In der Wertung, wo nur die Punkte der Fahrer addiert wurden, sieht es nicht ganz so rosig für Crédit Agricole aus. Dort reichte es nur zum 16. Platz. Aber daran sieht man, dass das Kollektiv bei Crédit Agricole im Vordergrund steht.

Rundfahrten und Klassiker

Der starke Ungar Lazlo Bodrogi wurde für das Zeitfahren verpflichtet. Er, der auf der 1. Etappe von Fromentine nach Noirmoutier-en-l'Ile bei der TdF, den 5. Platz belegte, fiel aber nicht unbedingt durch die Qualitäten im Kampf gegen die Uhr auf. Sicherlich hat er seinem 2. Platz im Einzelzeitfahren bei der Tour de Luxemburg (2. HC) einen Teil seines Gesamtsieges zu verdanken, aber es geht eben auch anders. Allerdings konnte er sich nicht so in Szene setzen, wie man es sich erhofft hatte.

Ein weiterer guter Zeitfahrer ist wohl der Brite Bradley Wiggins. Er möchte den Prolog der Tour de France 2006 gewinnen. Die Anlagen könnte er haben, wie es sich schon diese Saison der Sieg beim Zeitfahren der Circuit de Lorraine (2.1) abzeichnete. Aber auch bei der Tour de l´Avenir (2.1) war er ohne Zeitfahren vor Teamkollege Raisin bei der 8. Etappe siegreich.

Das Team stellt noch einen Sieger einer Rundfahrt. Sébastian Joly beendete schon die erste Etappe der Tour du Limousin als Schnellster. Diese Führung hielt er bis zum Schluss.

Mit besonderer Spannung betrachtete man die Rennen von Damien Nazon. Etappensiege bei der Tour de Picardie (2.1) und Circuit Cycliste Sarthe (2.1) reichten aber nicht dafür aus, ihm eine erfolgreiche Saison zu attestieren. Pro Tour-Punkte schaffte er keine.

Dritter beim Circuit Franco-Belge (2.1) wurde insgesamt Sebastian Hinault. Der Namensvetter von Bernard siegte gar auf einem Teilstück dieser Rundfahrt. Bei der TdF verfehlte er das Podium bei der 4. Etappe von Pau nach Revel nur knapp.

Nicolas Vogondy, die Neuverpflichtung von fdjeux.com, siegte auch bei einem Tagesabschnitt der Route du Sud.


Tops und Flops

Gewinner

• Thor Hushovd: Der Norweger hat gezeigt, dass er in der Lage ist, mit den Größten der Branche mitzuhalten. Der Sieg des Grünen Trikots tut ein übriges
• Andrej Kashechkin: Der junge Kasache zeigte ein riesiges Potential. Leider konnte er nicht gehalten werden.
• Christophe Le Mevel: Er siegte bei einer Etappe einer GT. Dieses Privileg hat fast kein anderer Franzose 2005 vorzuweisen.

Verlierer:
• Christophe Moreau: Platz 11 bei der Tour de France reichte dem alternden Franzosen nicht, um letztlich auch 2006 das Flaggschiff des französischen Radsports anzuführen.
• Damien Nazon: Auf höchster Ebene sieht man von ihm nichts. Er benötigt die Nischenrennen. Er verlässt das Team mit unbekannten Ziel.
• Alexandre Botcharov: Platz 21 bei der Vuelta täuscht nicht darüber hinweg, dass diese Saison für ihn nicht bemerkenswert ist.

Ausblick auf 2006
Für die kommende Saison wurde die französische Seite des Teams verstärkt. Bei den Verpflichtungen tauchen viele französische Namen auf. Vorrangig erfolgshungrige Fahrer und Radsportlern mit Perspektiven sollen den Weg in die Equipe finden. Von Cofidis kommen Edaleine, Engoulvent sowie der Kasache Fofonov. Der einzige Pro Tour Etappensieger von Bouygues Telecom, Charteau, und der Australier Renshaw (Francaise des Jeux) wurden ebenso verpflichtet.

Abgegeben hat man – wie bereits erwähnt – Moreau, Kashechkin und Nazon. Damit fehlt es künftig an Fahrern mit Blickrichtung für die Gesamtplatzierungen. Trotz Bemühen konnte kein Fahrer mit GT-Qualitäten zum französischen Team gelotst werden. Es wird kolportiert, dass man die Fühler nach Winokurow und Simoni ausgestreckt hatte. Gerade letzterer hätte zur Equipe und auch zur Teamphilosophie nicht gepasst.

Vernachlässigt wurde die Suche nach Fahrern, die bei den Hügelklassikern zu guten Platzierungen fähig sind. Es fällt schon auf, dass in dem Format „Ardennen-Klassiker“ oder auch bei der Klasika San Sebastian oder der Lombardei-Rundfahrt keine Fahrer unter die ersten 20 kam. Beste waren jeweils Le Mevel – 21. beim Fleche Wallone – und Kashechkin mit der identischen Platzierung bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Es wird klar, dass sich damit die Erwartungen 2006 auf weniger Köpfe konzentrieren. Besonders Hushovd wird noch mehr gefordert sein. Caucchioli wird seine Fähigkeit wieder beim Giro unter Beweis stellen sollen. Und evtl. kann Halgand eine bessere Saison abliefern als dieses Jahr.


Bei aller Liebe zum Team. Man muss befürchten, dass die charmevollere Seite nächstes Jahr stärker zur Geltung kommen wird als die sportliche. Wenn es bei Hushovd nicht klappt, wird es mit guten Platzierungen bei Etappen und Klassikern schon eng. Vom Podium zu schweigen. Weit und breit scheint niemand aus dem Kader in der Lage zu sein, auch mal eine Rundfahrt für sich zu entscheiden.

Aber… alle Jahre wieder. Mal sehen, welche denkwürdige Szene uns die Grün-Weißen bei der nächsten Tour liefern.




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o.T.
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