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 Saisonbilanz Cofidis Steamboat 11.11.2005 00:16
 RE: Saisonbilanz Cofidis CV-Kelme-Fan 11.11.2005 18:15

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11.11.2005 00:16

Steamboat
Tour-Sieger

Dabei seit: 29.12.2001

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Saisonbilanz Cofidis

Der französische Radsport ist am Boden, aber Cofidis hält die Fahnen hoch und ermöglicht mit Hilfe der ausländischen Fahrer, dass doch ein Team aus Gallien konkurrenzfähig bleibt. So war es, so ist es.

So ist es eben nicht…

Die Bilanz sieht nicht nur auf dem ersten Blick ernüchternd aus. Gewonnen hat man in der vergangenen Saison gar nichts. Gar nichts stimmt nun auch nicht ganz, aber man blieb unter den Erwartungen. Das Team muss mit dem Kader 2005 andere Ansprüche haben, als dass es reicht eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen. Da muss mehr gehen…

Es wird bei der Betrachtung des Kaders schon offensichtlich, dass es dem Team vor allen Dingen an Häuptlingen mangelte. Cofidis unterscheidet sich von Bouygues Telecom oder fdjeux.com, dass es ein ganz patentes Team an Helfern gibt, nur die Spitzenkraft fehlt. Z.B. fehlt ein Mann für die GTs.

So verwundert es nicht, dass es dementsprechend auch an den Top-Ergebnissen mangelt, die ein Team wie Cofidis realisieren sollte. Eine Podiumsplatzierung bei einem Pro Tour Event – das ist für die Erwartungen zu wenig. Man kann nach Gründen suchen. Entweder gelingt es dem Team nicht, entsprechende Größen ins Team zu locken. Genannt als Interessent wird Cofidis häufiger, so waren es z.B. kürzlich als neuer Arbeitgeber für Winokurow oder Simoni im Gespräch.

Cofidis in Harmony

Oder dem Team fehlt hin und wieder die Harmonie. Darauf weisen Misstöne, die durch den Abgang von Matthew White laut wurden, als nämlich eine Stütze des Teams, Stuart O´Grady, sich mit diesem solidarisierte und ebenso ging. Dabei würde es Cofidis gut zu Gesicht stehen, O´Grady zu halten und White, der seinem australischen Landsmann öfter in der Vergangenheit sekundierte (siehe HEW-Cyclassics 2004), ebenso im Team zu belassen. O´Grady gewinnt nicht viel, aber holte dennoch ein wenig Lorbeer ins Team. Oder warum wurde ein Atienza entlassen? Der Spanier war der einzige im Team, der aufgrund seiner Endplatzierung bei den GTs auch Pro Tour Punkte bekam.

Es fällt auf, dass man sich von einigen Fahrern zur neuen Saison trennte, die dem Team wenigstens Po Tour Punkte bescherten oder Etappen- und Rundfahrtssiege holten. Aber der Reihe nach.

Der beste im Team war 2005 David Moncoutie. Zwar gelang ihm nicht der mal erwartete Karrieresprung zu einem guten GT-Fahrer (Platz 67 bei der Tour de France), wenn man aber die größten Erfolge der Equipe in der vergangenen Saison nennen soll, dann bleibt man unweigerlich an seinem Etappensieg bei der Tour von Briancon nach Digne-les-Bains (12. Etappe) hängen. Es fällt auf, dass er bei der Volta A Catalunya einen dritten Platz erreichte und bei Paris-Nizza gewann er das Bergtrikot. Weiterhin soll auf seine zwei sechsten Plätze verwiesen werden, die er im Gesamtklassement der Dauphine Libere sowie bei der Klasika San Sebastian einfuhr. Der Vollständigkeit halber muss noch sein Etappensieg bei der Baskenland-Rundfahrt nachgeschoben werden. Damit wurde er 30. im Gesamtklassement der Pro Tour und somit bester Franzose. Über den Niedergang des französischen Radsports ist bereits genug geschrieben worden, so dass die simple Anmerkung und ein Glückwunsch an dieser Stelle reichen sollen…

Ein Australier in Flandern

Der zweitbeste „Cofide“ wurde O´Grady. Bei Mailand-San Remo verfehlte er knapp das Podium (Platz 4), wobei man bemerken muss, dass Hondo (Gerolsteiner) dort den zweiten Platz belegte. Der Australier glänzte noch mit einem 10. Rang bei Gent-Wevelgem. Ferner fuhr er im Rahmen des Giros und der Tour bei einigen Etappen noch einige Punkte ein. Beim Giro war es der dritte Platz der 10. Etappe, bei der Tour de France ein zweiter Rang auf der 13. Etappe (Miramas-Montpellier) und ein dritter Rang auf der dritten Etappe (La Châtegneraie - Tours).

Etappensiege bei Rennen der Pro Tour feierte er keine. Insgesamt muss man dazu aber auch sagen, dass er eher jemand ist, der immer recht weit vorne mitfährt, aber am Ende sind meist andere schneller. So war es auch schon in der Vergangenheit. In der Pro Tour-Wertung waren es übrigens ein paar mehr. Platz 61. Landsmann und Freund White landete nicht in dieser Rangliste – dafür aber einen Etappensieg bei der Herald Sun Tour (2.HC) in Australien.

Drittbester des Teams wurde etwas überraschend Daniel Atienza. Man hätte ihn am Anfang der Saison nicht gerade als Leader bei GTs erwartet. Diese Führungsrolle hat er übernommen, wenn entweder niemand anderer aus dem Team dazu in der Lage war oder der angedachte Mann der Rolle nicht gerecht wurde (Bertagnolli). So belegte Atienza beim Giro den 14. Platz und bei der Vuelta den 17. Platz. Die Ausbeute ist an Punkten für die Pro Tour eventuell nicht reichhaltig, aber mehr als gar nichts. Bei Cofidis darf sich über Atienza ohnehin niemand beschweren, weil andere Fahrer sich noch deutlicher mit guten Ergebnissen zurück hielten. Platz 9 bei der Tour de Romandie und Platz 13 bei der Tour de Suisse rundeten seine persönliche Bilanz ab. Atienza wurde in der Pro Tour Wertung 102. Arbeitslos wurde er drüber hinaus nach dieser Saison auch.

Etwas stärker hatte man die italienische Neuerwerbung, Leonardo Bertagnolli, erwartet. Mit der Bürde, Kapitän beim Giro zu sein, wurde er offenbar nicht fertig. Jedenfalls verließ er den Giro, ohne besonders in Erscheinung getreten zu sein. Besser dazu im Vergleich sein Abschneiden bei der Vuelta, wo er die 2. Etappe von Granada nach Cordoba gewinnen konnte. Dass er später auch in Madrid nicht angekommen ist, sei mal so erwähnt. Weitere Pro Tour Punkte sicherte er sich durch Rang neun bei der Klasika San Sebastian. Position 13 bei Tirreno-Adriatico reichte aber nicht mehr zum Erwerb von Punkten. Immerhin zu Platz 132 reichte es in der Pro Tour. Und zu einem Etappensieg bei der Tour du Limousin (2.1) reichte es auch.

Sylvain – quo vadis?

Vier Plätze dahinter rangiert eine der großen französischen Hoffnungen, Sylvain Chavanel. Er war zu Saisonbeginn mit vielen Erwartungen verpflichtet worden. Zumindest im Rahmen der Pro Tour konnte er diesen nicht standhalten. Bis zur letzten Rundfahrt des Jahres hatte er noch keine Punkte. In Polen sicherte er sich den neunten Platz, um so doch noch aufgeführt zu werden. Ansonsten waren die Resultate nicht so stark wie erwartet. Der 12. Rang bei Züri-Metzgete kann sich sehen lassen, aber das Sahnehäubchen fehlt dem neuen französischen Meister im Zeitfahren. Es ist auch nicht in zwei Rundfahrtsiegen (Circuit de la Sarthe (2.1 –nebst Etappensieg) und Tour du Poitou Charentes (2.1)) zu finden.

Altmeister Cedric Vasseur taucht in der Rangliste der Pro Tour auf Position 155 auf. Sein zweiter Platz bei der 18. Tour-Etappe von Albi nach Mende verschaffte ihm Einlass in diesen Kreis. Zudem wurde er bester seines Teams bei der Grand boucle (Platz 44). Als letzter des Teams folgt Arnaud Coyot, der in der „Hölle des Nordens“ (Paris-Roubaix) den 10. Platz erreichte und somit einen Punkt für die Pro Tour-Wertung (Platz 164) erhielt.

Nach diesen Ergebnissen muss man anmerken, dass man bei Cofidis zwar über solide Fahrer verfügt, aber es ist eben niemand dabei, dem auch mal ein großer Sieg gelingt. Es fehlt neben einem wirklichen Leader für die Landesrundfahrten auch an jemandem, der bei den schweren Hügelklassikern ein Wörtchen mitsprechen kann. Und wenn man an das flämische Frühjahr denkt…. Neuerdings mangelt es auch an endschnellen Männern, wenn es zur Massenankunft kommen sollte. Von daher sollte man sich nicht zu sehr wundern, dass Cofidis künftig versuchen wird, viele Fluchtgruppen zu gestalten und gut zu besetzen.

Wo aber waren andere Fahrer? Warum fehlen sie in den Pro Tour Rängen?

Was ist mit …

Luis Perez? 2004 war er noch Neunter der Vuelta. Dieses Jahr stieg er nach der Hälfte der Rundfahrt aus. Ansonsten fiel er in diesem Jahr durch Unauffälligkeit auf. Sein bestes Ergebnis war der zweite Platz bei der Aragon-Rundfahrt.

Guido Trentin? 2002 gewann er eine Etappe bei der Vuelta und zählte mal zu den hoffnungsvollen Männern im Gesamtklassement. 2005 war nicht sein Jahr in der Pro Tour. Sein bestes Ergebnis war der 16. Gesamtplatz bei der Deutschland-Tour. Er wäre der ideale Mann, um einen anderen als Edeldomestike zu begleiten. Cofidis hat ihm aber die Papiere gegeben, auch wenn er zwei Etappensiege bei der Tour de la Region Wallone und beim GP J. Agostinho/T. Vedras (2.1) erzielte.

Dmitriy Fofonov? Der Kasache erreichte beim Giro einen vierten Etappenplatz. Auch er ist jemand aus der Truppe „Edeldomestike“. In der nächsten Saison fährt er zusammen mit Jimmy Engoulvent und Christophe Edaleine, die beide ihr Können 2005 nur wenig unter Beweis stellten, bei Crédit Agricole.

Janek Tombak? Der Este war zwar Mitglied der Tour de France-Equipe, konnte sich aber dort nicht ausreichend in Szene setzen. Dafür gewann er die Tour de Picardie (2.1) und war beim EOS Talinn-GP (1.1) siegreich. Nächstes Jahr hat er auch noch kein Team.

Jimmy Casper? Der einst endschnelle Franzose kann bei kleinen Rennen durchaus gefallen. Drei Siege feierte er 2005. Ein Mal gewann er den GP de Denain (1.1) und dann den Châteauroux Clas. De l'Indre (1.1) sowie eine Etappe bei der Etoile des Besseges (1.1). Künftig stellt er die Sprintfraktion des Teams dar. Nun denn, dann kann man ja nicht behaupten, dass man es nicht versucht hätte.

Man kann es drehen, wie man will, die Saison von Cofidis hatte mehr Wolken als Sonne. Das Team hat zu wenig aus seinen Fähigkeiten gemacht. Allerdings hängt das wahrscheinlich eher damit zusammen, dass ihnen die richtigen Leute fehlen. Anders als bei anderen französischen Teams scheinen Helfer ausreichend vorhanden zu sein, aber der Puncheur fehlt letztlich.

Die größte Niederlage hat das Team sicherlich in der öffentlichen Wahrnehmung erlitten. Das beste Team aus Frankreich ist man nicht mehr. Crédit Agricole zeigte in der Saison bessere Leistungen. Sowohl in der Teamwertung der Pro Tour landet Cofidis (11.) hinter Credit Agricole (9.), als auch in der Addition der Punkte der einzelnen Fahrer reicht es nicht, die französische Konkurrenz zu überflügeln. Zudem hielt Crédit Agricole das grüne Trikot der Tour in Frankreich.

Tops und Flops

Die Gewinner des Teams sind
• David Moncoutie: Er hielt die Fahnen des Teams notdürftig hoch. Bester Franzose. Zumindest kann er auch einige Ergebnisse vorweisen
• Daniel Atienza: Er war die überraschende Allzweckwaffe bei Rundfahrten. Aber offensichtlich muss man in Frankreich sein bestes Pferd abgeben.
• Leonardo Bertagnolli: Zwar ist er kein Rundfahrten-Leader, aber zumindest mal einen Etappensieg konnte er der betrüblichen Bilanz der Pro Tour beisteuern.

Diese Fahrer enttäuschten
• Sylvain Chavanel: 2005 trat er nicht so sehr in Erscheinung wie in den Vorjahren. Die wirklich guten Ergebnisse konnte er nicht erzielen
• Stuart O´Grady: Der Australier gewann letztlich kein Rennen für Cofidis 2005. Dennoch ist er ein Gewinner. Er wollte zu Sony-Ericsson und fand letztlich in CSC einen dankbaren Abnehmer. Da wäre er nicht der erste Ackergaul, der dort wieder flott gemacht wird.
• Guido Trentin: Er nutzte nicht die Möglichkeiten. Nur mittelmäßige Platzierungen reichen nicht aus, um im Peloton bestehen zu können

Einen großen Aderlass kennzeichnend Cofidis auf dem Weg in die neue Saison. Wie erwähnt verlassen viele Fahrer das Team – nicht immer alle ganz freiwillig. Fahrer wie Trentin oder Atienza hätte man schon halten sollen. Auch wenn diese nicht immer Garanten für große Erfolge sind, so wären sie gute Unterstützer für entsprechende Topleute. Wenn man nun gehässig ist, kann man momentan sagen, dass Cofidis ja zur neuen Saison keine guten Leute hat, also warum sollte man dann diese Fahrer halten? Da ist was dran.

Viele Nachwuchstalente – besonders französischer Herkunft – wurden verpflichtet. Die werden in der kommenden Saison sicherlich noch keine bedeutende Rolle spielen. Daneben wurde für die GT z.B. der Kolumbianer Ivan Parra verpflichtet. Er ließ durch zwei Giro-Etappensiege und dem 20. Gesamtrang aufhorchen. Man muss kritisch schauen, ob er nun der Mann für die GT ist. Vermutlich ist er jemand, der nur für einzelne Etappen gut ist.

Daneben kamen Rik Verbrugghe und Christian Moreni von Quick Step. Der Belgier zeigte sich in der abgelaufenen Saison verbessert und man kann hoffen, dass er bei kleinen Rundfahrten evtl. mal die Top Ten erreicht. Moreni ist ein Typ für Klassiker, dem der ganze große Wurf eher weniger zuzutrauen ist. Aus Belgien kommt u.a. das Talent Maxime Monfort. Er wird seine Zeit brauchen, bis er in der Lage ist, vorne einzugreifen.

Der französische Radsport wird vermutlich auch 2006 noch nicht das Tal durchschritten haben. Jedenfalls deutet bei Cofidis nicht viel auf das Gegenteil hin.




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o.T.
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11.11.2005 18:15

CV-Kelme-Fan
Kapitän

Dabei seit: 21.07.2005
Fan von: Radsport

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RE: Saisonbilanz Cofidis

Erneut tolle Analyse, gute Arbeit! Da bekommt man wieder richtig Lust und hofft, dass endlich Februar ist.


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