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Geschrieben von NiWe am 05.05.2010 um 15:37:

  Griechenland?

Brandanschlag in Griechenland

an der Grenze zu Politik, ist mir klar, aber mich würde echt mal die Sicht der Griechischen Bevölkerung interessieren.

Sind die Demonstranten alle so kurzsichtig und sehen nicht, dass ihre Regierung gar nicht anders können? Oder geht es in Wahrheit darum, dass die Regierung an den falschen Ecken ansetzt? Weiß da jemand genaueres?



Geschrieben von schnippler^2 am 05.05.2010 um 15:41:

  RE: Griechenland?

Teufel, MM? zahnlos



Geschrieben von NiWe am 05.05.2010 um 15:44:

 

falls der Thread geschlossen werden sollte: ich bin nicht primär an einer Diskussion über alle Folgen interessiert, sondern eher daran, die Menschen vorort zu verstehen.



Geschrieben von Bartali am 05.05.2010 um 15:51:

 

In Deutschland lebende Griechen scheinen die hiesige Sichtweise zu teilen.

http://www.badische-zeitung.de/wie-freiburgs-griechen-die-griechische-krise-sehen--30616176.html



Geschrieben von kuestentanne am 05.05.2010 um 15:54:

 

Interessant finde ich die total unterschiedliche Berichterstattung und Wahrnehmung in Deutschland und Schweden.
In Deutschland ein Top-Thema in Medien und auch bei Verwandten/Bekannten geht das den Schweden völlig am Arsch vorbei.
In schwedischen Zeitungen muss man richtig nach Artikeln zur Griechen-Krise suchen, außer gestern, da ist einer Zeitung ein Licht aufgegangen, dass Urlaub in Griechenland demnächst spottbillig wird und auch andere EURO-Länder dank der EURO-Schwäche billiger werden.



Geschrieben von xxEntexx am 05.05.2010 um 15:55:

 

Naja, die Schweden müssen ja auch nicht 30 Milliarden rüberschieben...



Geschrieben von schnippler^2 am 05.05.2010 um 15:58:

 

Zitat:
Original von xxEntexx
Naja, die Schweden müssen ja auch nicht 30 Milliarden rüberschieben...


Gute Frage: Zahlen nur Länder der EURO-Zone oder alle EU-Staaten? in zweiterem Fall dürften die Schweden eigentlich pro Kopf mehr abdrücken als die Deutschen, weil viel reicher, oder? Dass das in Schweden kein Thema ist, spricht ja nicht gerade für unsere blonden Freunde.



Geschrieben von wagenge am 05.05.2010 um 16:03:

 

ich glaube nur euro-zonen länder zahlen ...



Geschrieben von kuestentanne am 05.05.2010 um 16:03:

 

Außenpolitik ist hier insgesamt kein großes Thema in den Medien (wobei EU ist ja nicht so richtig außen), außer es dreht sich um Obama oder Israel/Palästina.

Wahrscheinlich wägen sich die Schweden in Sicherheit, weil sie nicht den EURO haben und ob sie was blechen müssen, weiß ich gar nicht, es steht dazu ja nichts in den Medien Augen rollen



Geschrieben von schnippler^2 am 05.05.2010 um 16:04:

 

Zitat:
Original von wagenge
ich glaube nur euro-zonen länder zahlen ...


Tja, dann sind die Schweden ja fein raus, und die Zeitungen dort können weiter über Billigreisen nach EURO-Land, das Aschemonster und die traurige Prinzessin berichten. smile



Geschrieben von Bartali am 05.05.2010 um 16:08:

 

Zitat:
Original von schnippler^2
Tja, dann sind die Schweden ja fein raus


Es sei denn, sie müssen bald einen Haufen griechische Armutsflüchlinge aufnehmen. zahnlos



Geschrieben von blaireau am 05.05.2010 um 16:09:

 

Ich wär gerne eine Bank. Dann bekomme ich billiges Geld in Milliardenpaketen von der europäischen Zentralbank und leihe es anschliessend mit einem happigen Zinsaufschlag an Staaten weiter. Wenn der Staat wackelt (so wie Griechenland), dann kommen die andern Staaten uns helfen meinem Schuldner. Ein risikoloses Zinsgeschäft. Sparen müssen dann die, die wirklich arbeiten.

Zum Trost beteilige ich mich auch noch an der Sanierung. Ein bisschen. Macht sich gut.

Anschaulich hier: http://www.zeit.de/2010/03/DOS-Wo-das-Geld-geblieben-ist



Geschrieben von kuestentanne am 05.05.2010 um 16:09:

 

Zitat:
Original von schnippler^2
Zitat:
Original von wagenge
ich glaube nur euro-zonen länder zahlen ...


Tja, dann sind die Schweden ja fein raus, und die Zeitungen dort können weiter über Billigreisen nach EURO-Land, das Aschemonster und die traurige Prinzessin berichten. smile


Also die BILD hat mehr über die traurige Prinzessin berichtet großes Grinsen
Aber die Hochzeit ist das "Griechenland" der Schweden.
So wird gerade das Haga-Schloss saniert, wo Viktoria mit ihrem Fitnesstrainer wohnen wird, für 40 Mio SEK und die Kirche, in der sie getraut werden, wurde für 14 Mio SEK aufgefrischt mit Steuergeldern. So ist mittlerweile eine satte Mehrheit für die Abschaffung der Monarchie ...



Geschrieben von Michelin-Männchen am 05.05.2010 um 16:12:

 

Zitat:
Original von blaireau
Ich wär gerne eine Bank. Dann bekomme ich billiges Geld in Milliardenpaketen von der europäischen Zentralbank und leihe es anschliessend mit einem happigen Zinsaufschlag an Staaten weiter. Wenn der Staat wackelt (so wie Griechenland), dann kommen die andern Staaten uns helfen meinem Schuldner. Ein risikoloses Zinsgeschäft. Sparen müssen dann die, die wirklich arbeiten.

Zum Trost beteilige ich mich auch noch an der Sanierung. Ein bisschen. Macht sich gut.

Anschaulich hier: http://www.zeit.de/2010/03/DOS-Wo-das-Geld-geblieben-ist

Soso, die Banken sind verantwortlich dafuer, dass sich Griechenland hoffnugslos verschuldet hat und nur wenige dort ihre Steuern bezahlen. Wer glaubt eigentlich an solche Maerchen?



Geschrieben von schnippler^2 am 05.05.2010 um 16:15:

 

Zitat:
Original von Michelin-Männchen
Soso, die Banken sind verantwortlich dafuer, dass sich Griechenland hoffnugslos verschuldet hat und nur wenige dort ihre Steuern bezahlen. Wer glaubt eigentlich an solche Maerchen?


Es geht nicht um Schuld sondern ums Bereichern. Wenn jemand besoffen in der Gosse liegt, klau ich dem auch nicht die Geldbörse. Auch wenn der seinen Zustand selbst verschuldet hat. Ok, ein Banker klaut die, bringt sie ins Fundbüro, kassiert den Finderlohn und sorgt noch dafür, dass der Besoffene hinterher Kunde wird.



Geschrieben von xxEntexx am 05.05.2010 um 16:15:

 

Zitat:
Original von Michelin-Männchen
Zitat:
Original von blaireau
Ich wär gerne eine Bank. Dann bekomme ich billiges Geld in Milliardenpaketen von der europäischen Zentralbank und leihe es anschliessend mit einem happigen Zinsaufschlag an Staaten weiter. Wenn der Staat wackelt (so wie Griechenland), dann kommen die andern Staaten uns helfen meinem Schuldner. Ein risikoloses Zinsgeschäft. Sparen müssen dann die, die wirklich arbeiten.

Zum Trost beteilige ich mich auch noch an der Sanierung. Ein bisschen. Macht sich gut.

Anschaulich hier: http://www.zeit.de/2010/03/DOS-Wo-das-Geld-geblieben-ist

Soso, die Banken sind verantwortlich dafuer, dass sich Griechenland hoffnugslos verschuldet hat und nur wenige dort ihre Steuern bezahlen. Wer glaubt eigentlich an solche Maerchen?


In diesem Falle hat ohne Umschweife der Staat versagt. Solche Renten und Pensionen und dann auch noch 17 Monatsgehälter für Beamte gehen bei einer derart ausgeprägten Unproduktivität, die in der europäischen Wirtschaft ihresgleichen sucht, zwangsläufig irgendwann schief. Zu dumm nur, dass nun alle wieder drunter leiden müssen.



Geschrieben von teufelsberg am 05.05.2010 um 16:19:

  RE: Griechenland?

Zitat:
Original von NiWe
Brandanschlag in Griechenland

an der Grenze zu Politik, ist mir klar, aber mich würde echt mal die Sicht der Griechischen Bevölkerung interessieren.

Sind die Demonstranten alle so kurzsichtig und sehen nicht, dass ihre Regierung gar nicht anders können? Oder geht es in Wahrheit darum, dass die Regierung an den falschen Ecken ansetzt? Weiß da jemand genaueres?


Sind Griechen hier?!?


Mir scheint es doch vielen Griechen klar zu sein, dass es so nicht weitergehen konnte.
Viele haben ja in den letzten Jahren auch von ziemlich satten Lohnsteigertungen profitiert.

Andere dagegen nicht. Für junge Menschen gab es nur wenige Wege in gutbezahlte Stellen, viele dümpelten (wie hier aktuell) in eher prekären Arbeitsverhältnissen. Die Preise sind jedoch für alle gestiegen.
Insofern ein gewaltiges Konfliktpotenzial, welches sich jetzt seinen Ausdruck sucht.

Man hört oft, dass sich die Demonstrationen gegen die falsche Verteilung der Sparlasten richtet. Von hier natürlich schwer zu beurteilen.

Natürlich kann ich nicht auf Dauer 13 Prozent meines Nationalprodukts an neuen Krediten aufnehmen; eine simple Milchmädchen rechnung.

Wer kann schon dauerhaft 1000 Euro ausgeben, wenn er nur 870 einnimmt.
Für Staaten kann es in gewissen Phasen mal sinnvoll sein, sich deutlich zu verschulden. Dann müsste das Geld allerdings in Investitionen fließen, um damit die Kredite tilgen zu können.
Die Griechen profitierten nach der Euroeinführung von sprunghaft gesunkenen Zinsen und verschuldeten sich recht leichten Herzens für den Konsum, war ja billig, haben wir schon immer so gemacht und mit Inflation ausgeglichen.

Geht natürlich in einer Währungsunion nicht, wusste jeder, der es wissen wollte, hat aber keinen Entscheider interessiert. Sonst wäre auch nicht das Budgetdefizit (3%), sondern ein Leistungs- bzw. Zahlungsbilanzdefizit die entscheidende Größe; wären die Griechen nämlich bei Griechen verschuldet, könnten sie es einfach intern regeln, Zwangsabgaben etc und es könnte uns hier ziemlich wurscht sein.

Auf jeden Fall wird vielen Griechen klar sein, dass zwar die meisten recht lax mit Steuerpflichten etc. umgegangen sind, aber in großem Stil doch nur ein recht kleiner Teil der Bevölkerung profititert hat. Und diese muss man zwingend jetzt mehr zur Kasse bitten, statt nur Löhne zu senken und Verbrauchssteuern zu erhöhen, was logischerweise Kapitaleinkommen und Vermögen nicht trifft.


Und da kann man schon etwas wütend werden, wenn der Normalbürger etwas profitiert hat in den letzten Jahren (sich ein wenig mehr kaufen konnte), während einige große Vermögenszuwächse hatten, aber jetzt vor allem die Normalbürger abgeben sollen.



Geschrieben von Michelin-Männchen am 05.05.2010 um 16:19:

 

Zitat:
Original von schnippler^2
Zitat:
Original von Michelin-Männchen
Soso, die Banken sind verantwortlich dafuer, dass sich Griechenland hoffnugslos verschuldet hat und nur wenige dort ihre Steuern bezahlen. Wer glaubt eigentlich an solche Maerchen?


Es geht nicht um Schuld sondern ums Bereichern. Wenn jemand besoffen in der Gosse liegt, klau ich dem auch nicht die Geldbörse. Auch wenn der seinen Zustand selbst verschuldet hat. Ok, ein Banker klaut die, bringt sie ins Fundbüro, kassiert den Finderlohn und sorgt noch dafür, dass der Besoffene hinterher Kunde wird.

Die momentan diskutierten Risikoaufschlaege liegen bei 200 bps, das ist sehr wenig im Vergleich zu einer Unternehmensanleihe eines DAX Konzerns. Insofern ist die von Dir gewaehlte Analogie nicht angebracht.

Richtig wuetend koennen uebrigens (angehende) Pensionaere sein, deren Altersvorsorge teilweise in griechischen Staatsanleihen investiert ist. Sie bekaemen ohne die Stuetzungsmassnahme weniger Rente, weil Versicherungen und Pensionskassen die Papiere dann mit grossen Buchverlusten haetten verkaufen muessen. Soviel zum Thema Gerechtigkeit.



Geschrieben von blaireau am 05.05.2010 um 16:23:

 

Zitat:
Original von Michelin-Männchen
Soso, die Banken sind verantwortlich dafuer, dass sich Griechenland hoffnugslos verschuldet hat und nur wenige dort ihre Steuern bezahlen. Wer glaubt eigentlich an solche Maerchen?


Nein, die Banken sind nicht mal schuld, dass ihnen die Kapital-Risiken abgenommen werden und nur die Gewinne aus der Zinsdifferenz verbleiben.

Zitat:
Die momentan diskutierten Risikoaufschlaege liegen bei 200 bps, das ist sehr wenig im Vergleich ...


Och, bei ein paar Milliarden kommt auch bei 200 bps was zusammen. Vor allem, wenn de facto andere für das Kapital haften. "Risikoaufschlag"... süsser Ausdruck.



Geschrieben von teufelsberg am 05.05.2010 um 16:23:

 

Zitat:
Original von blaireau
Ich wär gerne eine Bank. Dann bekomme ich billiges Geld in Milliardenpaketen von der europäischen Zentralbank und leihe es anschliessend mit einem happigen Zinsaufschlag an Staaten weiter. Wenn der Staat wackelt (so wie Griechenland), dann kommen die andern Staaten uns helfen meinem Schuldner. Ein risikoloses Zinsgeschäft. Sparen müssen dann die, die wirklich arbeiten.
Zum Trost beteilige ich mich auch noch an der Sanierung. Ein bisschen. Macht sich gut.

Anschaulich hier: http://www.zeit.de/2010/03/DOS-Wo-das-Geld-geblieben-ist


Mit 5 Prozent verzinst, zu einem Prozent geliehen. Im Rahmen eines europäischen Rettungspakets, also relativ sicher.
Geradezu großzügig. Augen rollen


Im Ökonomen-Blog spricht man vom Haircut (mancher auch poiniterter von Intimrasur); Verluste für Schuldner sind unverzichtbar.


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