Cycling4Fans - Forum (http://forum.cycling4fans.de/index.php)
- Radsport (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=19)
-- Radsport abseits der ProTour- und Continental-Rennen (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=33)
--- Drei Radsportler in der deutschen "Hall of Fame" (http://forum.cycling4fans.de/thread.php?threadid=21594)


Geschrieben von Scout am 04.03.2008 um 21:09:

  Drei Radsportler in der deutschen "Hall of Fame"

Wie Focus online gestern schon berichtete werden 29 Sportler, Trainer und Funktionäre posthum in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen. Darunter sind die drei Radsportler: Gustav Kilian, Albert Richter und Kurt Stöpel. Unter den bisher so Geehrten war noch kein Radsportler vertreten.

Links
Link zum Focus Bericht
Gustav Killian bei Wikipedia
Kurt Stöpel bei Wikipedia
Albert Richter



Geschrieben von johw am 14.05.2008 um 16:32:

  RE: Drei Radsportler in der deutschen "Hall of Fame"

@Scout,
Du hattest recht.

Sie sind aufgenommen:
http://www.hall-of-fame-sport.de/galerie/portrait

Über die Auswahl (und die Auswahlkriterien) kann man spekulieren. Die Kritik ist sicherlich berechtigt:

"Längst eröffnet war schon vorher die Diskussion, zu der der einstige Pfarrer, DDR-Dissident und Bundestagsabgeordnete Rainer Eppelmann sowie DDR-Schwimmstar und Olympiasieger Roland Matthes die jüngsten Beiträge geliefert hatten. Beide kritisierten, dass der Sport der DDR in der Ruhmeshalle von Matthes allein nicht ausreichend vertreten sei. "Die DDR hat einige große Athletinnen und Athleten hervorgebracht, allerdings sind die der Jury, die die Sportler ausgewählt hat, nicht so bekannt", sagte Matthes...

Eppelmann, Vorsitzender der Stiftung zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur, nannte es "unerträglich, dass von allen, die zwischen 1950 und 1990 in der Deutschen Demokratischen Republik Leistungssport betrieben haben, bislang nur ein Einziger für würdig befunden wurde, dabei zu sein" (siehe auch: Rainer Eppelmann: "Vorbilder können nicht Götter sein")....

... die Sporthilfe hätte der Jury vorgeschrieben, Athleten allein posthum zu wählen; ausgenommen waren diejenigen, die die Sporthilfe mit der Goldenen Sportpyramide ausgezeichnet habe. ...

Die Namen stehen für die Widersprüchlichkeit der deutschen Geschichte. ....."

http://www.faz.net/s/Rub9CD731D06F17450CB39BE001000DD173/Doc~E86A0FFF9AE2A437C86611DD63D759C7E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Seltsame Ausschluß- und Einschlußkriterien.

Wenn es nach Bekanntheitsgrad gegangen wäre, hätte man Borris Becker, Michael Schuhmacher und wohl auch Jan Ullrich aufnehmen müssen. das wollte man offenbar unbedingt vermeiden.

Der Trick (anders kann man es wohl kaum bezeichnen): Es wurden verkappt und indirekt die moralisch-ethische Maßstäbe der Sporthilfe (die mit der Goldenen Sportpyramide waren bei der Auswahl sind dabei) verwendet.

Grotesk - lebende DDR-Sportler waren damit ausgeschlossen.

Aber gerade wenn man solche " ethisch, sauberen" Überlegungen angestellt hat, hätte ER da reingehört - als wohl besten und ohne Zweifel integersten deutschen Radfahrer, den es je gab und Funktionären in Ost wie West ein Vorbild sein müßte. Zumindest wäre es eine Gelegenheit gewesen, ihn endlich zu rehabilitieren und endlich angemessen zu ehren:

"Das ist Lötzsch? Der sagenumwitterte Lange , der Pistenfresser, Outlaw und Zerchmetterer der DDR-Elite? Es gibt Wissende, die halten Wolfgang Lötzsch für den größten deutschen Renner aller Zeiten, noch vor Rudi Altig, Olaf Ludwig, Täve Schur. Jetzt ist er Mechaniker von Gerolsteiner. Er hantiert am Materialwagen, verstaut Proviant, schraubt Rennmaschinen aufs Dach. Holczer kommt, der Chef: Los geht's! Und es geht los. ...

Man hat mir gesagt: Ein Leistungssportler ist wie ein Bombenentschärfer. Beide irren sich nur einmal. Und du hast dich mit deinen Äußerungen zur DDR bereits dieses einzige Mal geirrt. .....

Nie Neid auf die privilegierten Kameraden?

Anfangs. Das hat sich dann gegeben. Ich wollte sie abhängen, und das hab ich geschafft. Die konnten ja nichts für mein Schicksal. Der Olaf Ludwig, mit dem hab ich Material getauscht. Im Rennen ein harter Gegner, hinterher trank man Bier. Alle saßen am selben Tisch. Das stört mich am heutigen Radsport, dass die Gemeinschaft fehlt. Ich hab im Team schon das Grillen eingeführt. ..."

Aus dem sehr lesenwerten Artikel der ZEIT vom 07.07.2005 Nr.28:
http://www.zeit.de/2005/28/Sport_2fL_9atzsch_28

Wo wäre Deutschland heute ohne solche Leute! Aber die Ehre kassieren heute andere.


siehe auch:
Rainer Eppelmann: "Vorbilder können nicht Götter sein"
http://www.faz.net/s/Rub906784803A9943C4A3399622FC846D0D/Doc~EFE58EFB5532D4CA0A630574BC90C98CF~ATpl~Ecommon~Scontent.html


----------



Geschrieben von alek.sat am 16.05.2012 um 15:00:

  RE: Drei Radsportler in der deutschen "Hall of Fame"

Quelle: sueddeutsche.de (<-vollständige Version)

Zitat:
Radsport - Sporthilfe: Lötzsch in der «Hall of Fame»

Die ehemalige DDR-Radsportlegende Wolfgang Lötzsch wurde in die «Hall of Fame» aufgenommen.


Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH