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Geschrieben von Steamboat am 19.01.2006 um 11:02:

  Saisonbilanz Nationensicht (1. Teil)

Eine Saisonbilanz aus Nationensicht. Muss die sein? Wer den professionellen Radsport kennt, verneint diese Frage spontan; denn er weiß, dass diese Sportart weniger Wert auf die Herkunft eines Fahrers legt, sondern Radsportrennställe und deren Teaminteressen das Geschehen dominieren. Diese Mannschaften setzen sich aufgrund unterschiedlicher Gesichtspunkte mal mehr und mal weniger aus Fahrern aller Herren Länder zusammen. Zwar hegen die meisten Teams landsmannschaftliche Interessen und möchten in erster Linie auf Fahrer desselben Herkunftslandes wie des Teamsponsors zurückgreifen, aber fehlt es an den entsprechenden sportlichen Qualitäten bei diesen Fahrern, rücken „Legionäre“ in den Fokus der Teams.

Es ist vielleicht für ein italienisches Team nicht ganz unerheblich, ob der Gewinner eines Rennens auch Staatsbürger Italiens ist, es gilt aber dennoch eher die Maxime, dass ein Teammitglied - gleich welcher Nationalität – einen Event gewinnt. Welche Muttersprache dieser Fahrer dann sein eigen nennt, ist dann weniger erheblich.

Vermutlich ist es vielen Teammitgliedern und -chefs auch kommt nicht von übergeordneter Bedeutung, unter welcher Flagge das Team fährt, da sich viele Mannschaften mittlerweile zu wahren Multi-Kulti-Truppen entwickelt haben. Bsw. das dänische Team CSC verdankt viele seiner diesjährigen Erfolge den Herrschaften Basso, Sastre, Voigt, Julich und Schleck. Höchstens wenige Brocken der skandinavischen Sprache werden sie beherrschen. Die Amtssprache ist dem Vernehmen nach hauptsächlich englisch.

Eigentlich gelten dann Euskaltel und Bouygues Telecom schon als Paradiesvögel, da sich beide Teams fast ausschließlich aus einheimischen Fahrern zusammen setzen. Das baskische Team gewährte lediglich einem Venezolaner die Aufnahme, während bei der französischen Equipe der einzige Ausländer - der spanische Baske Unai Yus - während der Saison vor die Tür gesetzt wurde.

Dennoch darf die nationale Komponente nicht gänzlich vernachlässigt werden. Auch der Radsportkalender tut dieses nicht. Einmal jährlich findet die Weltmeisterschaft statt und alle vier Jahre stehen olympische Spiele auf dem Programm. Für diese Anlässe werden Nationalmannschaften gebildet. Diese Veranstaltungen stellen für Aktive, Verantwortliche und sicherlich auch Fans Kuriositäten dar, weil dann Mannschaftskollegen gegeneinander arbeiten müssen bzw. erbitterte Kontrahenten aufgrund ihrer gemeinsamen Staatsangehörigkeit an einem Strang ziehen müssen. Besonders die Italiener fallen diesbezüglich immer wieder auf, da ihnen das Festhalten an einer patriotischen Marschroute ganz offenkundig besonders schwer fällt. Dann kann es schon mal passieren, dass Bettini aus dem Feld attackiert, obwohl Di Luca in der Spitzengruppe fährt.

Die nationale Komponente wird bei anderen Teams aufgrund anderer Aspekte wichtig. Solange eine Nation ein oder mehrere sportliche Aushängeschilder in seinen eigenen Reihen hat, lassen sich leichter Sponsoren rekrutieren. Von daher hängt ein Engagement von T-Mobile sicherlich vom Verweilen eines Jan Ullrichs in dieser Sportart ab. Ob der Bonner Rennstall auch Geld für eine Mannschaft zur Verfügung stellen wird, wenn der Leader Michael Rogers künftig heißen sollte, steht in den Sternen...

Anders als bei CSC ist für das deutsche Team von höherer Bedeutung, dass der Sieger eines Wettbewerbs auch die „richtige“ Nationalität hat. Während bei den Dänen vorrangig der Erfolg zählt, wünscht man sich bei T-Mobile lieber auch einen deutschen Gewinner. Damit befindet sich das Team in guter Gesellschaft. Bei italienischen und spanischen Teams ist diese Frage von ebenso gleicher Bedeutung. Man muss kritisch beobachten, wie sich der Radsport in den USA entwickelt, wenn nun die Ikone Armstrong nicht mehr dabei ist. Seine Mannschaft hat sich im Laufe der Jahre zu einer Multi-Kulti-Truppe entwickelt, die in dieser Konstellation auch weiter Erfolge haben dürfte. Wie sich aber der Sponsor verhält und nicht zuletzt amerikanische Anhänger des Teams reagieren, wenn der Erfolg auf das Konto eines Radsportlers gehen sollte, der nicht unter dem „Stars und Stripes“-Banner fährt, muss erst mal abgewartet werden. Das Interesse der Öffentlichkeit wird wahrscheinlich aber abnehmen.

Deshalb: Setzen wir doch nun mal die Brille aus der Sicht eines patriotischen Fans auf, wie fällt dessen Rückblick auf das Jahr 2005 aus.

Deutschland

In Deutschland ist der Unterschied zwischen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung und dem Interesse der wahren Fans immens groß. Die Öffentlichkeit findet sich fast nur dann am Streckenrand oder vor den TV-Geräten wieder, wenn Erik Zabel, Jan Ullrich, Jens Voigt oder Andreas Klöden fahren. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Tour de France. Spätestens vielleicht seit der vergangenen Saison dürfte aber auch die Deutschland-Tour aus einem anderen Blickwinkel gesehen werden.

Aus sportlicher Sicht konnte jeder der genannten Fahrer – m,it Ausnahme von Klöden - in dieser Saison auf sich aufmerksam machen. Ullrich fiel bei seinem erneut fehlgeschlagenen Versuch auf, Lance Armstrong bei der Tour de France zu schlagen. Er wurde Dritter und bei der Deutschland-Tour wurde er Zweiter. Damit blieb er zwar etwas hinter den hoch gesteckten Erwartungen, enttäuscht hat er aber deswegen nicht.

Sein Teamkollege Zabel siegte bei dem Klassiker Paris-Tours, nachdem er die Tour de France aus teaminternen Gründen auslassen musste. Zudem gelang ihm der Sieg auch beim Rennen „Rund um den Henninger Turm“, weshalb die Öffentlichkeit nun annehmen könnte, dass Zabel ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr gehabt habe… Dass es auch gleichzeitig seine einzigen Siege waren, braucht hingegen dem geneigten Fan nicht gesagt zu werden.

Jens Voigt dürfte der Öffentlichkeit durch das eintägige Tragen des Gelben Trikots bei der Tour de France noch in guter Erinnerung sein, während Andreas Klöden knapp einen Etappensieg verfehlte und später verletzt ausschied.

Die Betrachtung war nun recht oberflächlich, entspricht aber der Wahrnehmung. Als Fan wird man sich derart unzulänglich der Saison nicht widmen. Seine Eindrücke bezüglich der Leistungen von Klöden decken sich mit der Öffentlichkeit in fast allen Punkten. Die Leistungen der anderen drei werden jedoch differenzierter zu den allgemeinen Eindrücken gesehen.


Erkennt man jetzt die Pro Tour zur Leistungsbeurteilung als Grundlage an, so fällt umgehend auf, dass nur bei drei Klassikern kein deutscher Fahrer in den Punkterängen zu finden ist. Steffen Wesemann, der zum Zeitpunkt der Austragung der jeweiligen Rennen noch nicht die Schweizer Staatsbürgerschaft hatte, wurde bester Deutscher beim Klasika San Sebastian (28.) und bei Paris-Roubaix (16.).

Erik Zabel kam bei seinem Lieblingsrennen, Mailand-San Remo, nicht über den 14. Platz hinaus. Dieses Resultat lässt sich auf die Ausläufer einer Verletzung zurückführen. Sein Landsmann Danilo Hondo war zwar eigentlich besser, jedoch wurde er aus der Pro Tour Wertung genommen, da er zuvor positiv auf Doping getestet wurde, so dass sein zweiter Platz in dem Rückblick unter den Teppich bei der classicisima gekehrt wurde.

Zweite Plätze bei Klassikern mit jedoch bleibender Gültigkeit erreichten zwei andere Fahrer. Jens Voigt musste sich im direkten Finish Alexandre Winokurow bei Lüttich-Bastogne-Lüttich leider geschlagen geben. Andreas Klier trat bei der Flandern-Rundfahrt mit seinem zweiten Platz aus dem Schatten seiner Teamkollegen heraus. Zabel begeisterte bei diesem Rennen mit einem überraschenden vierten Platz bei dem Rennen einfahren konnte. Vier Tage später legte er mit dem neunten Rang bei Gent-Wevelgem noch einen drauf.

Hoffnungsvoll stimmen die Abschneiden zweier junger Fahrer, von denen künftig vermutlich noch häufiger die Rede sein wird. Sie waren bereits in der vergangenen Saison jeweils bei zwei Klassikern in den Top Ten zu finden. Der eine heißt Patrick Sinkewitz und fuhr 2005 für das belgische Team Quick Step. Er belegte den sechsten Rang beim Amstel Gold Race, beim wallonischen Pfeil wurde er Siebter. Ebenfalls bei diesem Rennen platzierte sich Fabian Wegmann (Gerolsteiner) weit vorne. Neben dem dortigen 10. Platz schaffte er bei der Lombardei-Rundfahrt den sechsten Platz. Darüber hinaus freute sich Wegmann über einen Etappensieg bei einer Pro Tour Rundfahrt (Polen-Tour).

Die Ergebnisse seines Teamkollege Heinrich Haussler faszinierten auf breiter Basis. In seiner ersten Profi-Saison erzielte er sehr beachtliche Ergebnisse. Bei Züri-Metzgete wurde er Siebenter, nachdem er bei der Vuelta den einzigen Etappensieg eines Deutschen bei einer GT des vergangenen Jahres vollbrachte.

Zehnte Plätze bei den Klassikern waren Bert Grabsch (Phonak) und Jan Ullrich vergönnt. Grabsch rettete die deutschen Farben bei den HEW-Cyclassics, während Ullrich beim GP Ouest-Plouay der Sprung in die ersten Zehn glückte. Ferner pedalierte Ullrich bei den Pro Tour Rennen zu zwei Etappensiegen in den Einzelzeitfahrwettbewerben (Tour der Suisse, Deutschland-Tour). Er belegte bei drei Rundfahrten Podiumsplätze (3. bei der Tour de France und Tour de Suisse, Zweiter bei der Deutschland-Tour).

Jens Voigt versuchte Ullrich nachzueifern. Jeweils ein Etappensieg gelang ihm bei Paris-Nizza und bei der Baskenland-Rundfahrt. Der Sprung aufs Treppchen bei einer Rundfahrt der Pro Tour blieb ihm aber knapp verwehrt. Er wurde Vierte beim Rennen zur Sonne, wo sein Teamkollege Bobby Julich triumphierte. Damit lag er vor seinem ehemaligen Mannschaftskamerad Jörg Jaksche. Den Ansbacher im Trikot von Liberty Seguros ereilte ein ähnliches Schicksal, als er seinerseits das Podium bei der Deutschland-Tour als Vierter knapp verfehlte. Jaksche zählt jedoch zu den drei Deutschen, die im Rahmen der GTs sich im Gesamtklassement unter den besten 20 einfanden. Sein 16. Rang bei der Tour de France ermöglichte ihm diese Erwähnung. Der dritte im Bunde ist Markus Fothen, der bei seiner ersten Teilnahme bei einer dreiwöchigen Rundfahrt (Giro d´Italia) immerhin 12. wurde.

Klier, der sich bei der Flandern-Rundfahrt nachdrücklich in Szene setzte, konnte bei den minder schweren Rundfahrten Tirreno-Adriatico und der Benelux-Tour Punkte der Pro Tour abgreifen. In Italien fand er sich auf dem 10. Rang wieder, während er bei der Benelux-Rundfahrt einen Platz besser war. Zudem war er bester Deutscher bei der WM als Achter.

Auch Sinkewitz fiel in der Saison mit einer guten Platzierung auf – Zehnter bei der Deutschland-Tour. Außerdem sorgte auch Linus Gerdemann für positive Schlagzeilen, weil er einen Etappensieg bei der Tour de Suisse erreichte. Der Vollständigkeit halber sei auch noch der achte Rang von Sebastian Lang (Gerolsteiner) bei der WM im Zeitfahren genannt.

Die Statistik der Deutschen liest sich überwiegend positiv. Einige Schwachpunkte lassen sich zwar bei den Rundfahrten ausmachen. Nicht bei jeder Rundfahrt fand sich wenigstens ein Fahrer in der Top Ten, geschweige unter den ersten 20, wieder. Besonders in Spanien glänzten die Teutonen durch Zurückhaltung.

Schwächen sind zudem in einer einstigen deutschen Domäne zu erkennen. Im Sprintbereich macht sich bemerkbar, dass Zabel in die Jahre gekommen ist, Hondo gesperrt wurde und ein Fahrer wie Robert Förster (Gerolsteiner) (noch) nicht über die erforderliche Klasse verfügt. Keine Rundfahrtetappe wurde bei einem Massensprint gewonnen.

Ansonsten aber kann man sagen, dass die Deutschen in vielen Segmenten gut besetzt sind.

Italien

Die Italiener sind die führende Radsportnation. Aus ihren Reihen können sie für fast jede Gelegenheit mehrere gute und konkurrenzfähige Fahrer stellen, die überdurchschnittlich viele Erfolge erzielen. Bei der kurzen Wiedergabe der Ergebnisse muss natürlich eine straffe Zäsur erfolgen, nicht jede Top Ten Platzierung sollte hier genannt sein, es bleibt das wichtige.

Alleine sechs der 13 Klassiker gehen auf das Konto der Azzuris, daneben wurden eine kleine Rundfahrt und eine GT gewonnen. Je sieben weitere Podiumsplatzierungen bei Klassikern und Rundfahrten konnten bejubelt werden.

38 Etappensiege gab es bei den Pro Tour Rundfahrten festzuhalten, wobei alleine 20 auf die GTs entfielen. Den Löwenanteil der Etappensiege steuerte erwartungsgemäß mit 13 Erfolgen Alessandro Petacchi bei. Im eigenen Land erwuchs ihm aber Konkurrenz – Daniele Bennati (Lampre-Caffita), der immerhin 5 Etappenabschnitte siegreich beendete.

Dass der Sieger der Pro Tour Wertung die italienische Staatsbürgerschaft hat, dürfte bei den Zahlen nicht verwundern. .. und typisch italienisch ist auch, dass die Weltmeisterschaft trotz vermuteter Überlegenheit nicht gewonnen wurde.

Die bedeutendste GT der Italiener stellt der Giro dar. Er ist fest in ihrer Hand und das Gros der ersten 20 Plätze wird von ihnen belegt - 2005 fanden sich neun ihrer Landsleute dort ein. Allen voran soll hier der Sieger Paolo Savoldelli vor Gilberto Simoni genannt werden. Eigentlich wollte sich Ivan Basso zu ihnen aufs Podium gesellen, er holte den Sprung auf das Treppchen bei der Tour de France als Zweiter nach.

Auf dem vierten Rang des Giro landete Danilo Di Luca. Der erste Sieger der Pro Tour hatte bis zur Giro-Austragung bereits die Baskenland-Rundfahrt gewonnen. Ferner schickte er sich an, das Ardennen-Tripel von Davide Rebellin zu wiederholen, gab sich dann aber mit Siegen beim Amstel Gold Race und Fleche Wallone zufrieden.

Paolo Bettini durfte in den Siegerlisten 2005 natürlich nicht fehlen. Er gewann bei Züri-Metzgete und triumphierte erstmals bei der Lombardei-Rundfahrt. Auch der andere italienische Klassiker blieb in italienischer Hand – Alessandro Petacchi hieß der Sieger. Ferner freute sich Filippo Pozzato über seinen Sieg bei den HEW-Cyclassics.

Bei 12 der 13 Eintagesrennen waren wenigstens zwei Italienern unter den ersten Zehn zu finden. Lediglich bei Paris-Roubaix tauchte keiner in der Top Ten auf. Dieses Geläuf scheint ihnen offensichtlich nicht zu liegen. Das Pendant bei den Rundfahrten heißt Benelux-Rundfahrt, wo auch keiner der Landsleute von Bettini unter den ersten Zehn erfasst wurde.

Ausgerechnet bei der einzigen Rundfahrt neben dem Giro in der Pro Tour, bei Tirreno-Adriatico, musste man sich einem Fahrer anderer Nationalität beugen, wenngleich Petacchi (Fassa Bortolo) und Fabrizio Guidi (Phonak) auf dem Podium standen.

Zum Podiumsgänger wurde Davide Rebellin (Gerolsteiner), der nie ganz oben, aber dreimal neben dem Sieger stand (Zweiter bei der Baskenland-Rundfahrt, jeweils Dritter beim Fleche Wallone und beim GP Ouest-Plouay). Bennati wurde Zweiter bei Paris-Tours und Dritter bei Gent-Wevelgem.

Zweite Ränge fuhren außerdem ein: Luca Paolini (HEW Cyclassics), Simoni (Lombardei-Rundfahrt), Damiano Cunego (Tour de Romandie) sowie Leonardo Piepoli bei der Volta a Catalunya.

Ebenfalls auf dem Podium wurden außerdem gesichtet: Mirko Celestino beim Amstel Gold Race, Eddy Mazzoleni bei der Klasika San Sebastian und Lorenzo Bernucci bei Züri-Metzgete.

Die Ergebnisse der Italiener können von der Konkurrenz nur neidisch beäugt werden. Es ist unter diesen Umständen und entsprechenden Gewinnaussichten schon sehr verwunderlich, dass kein Sponsor den Mut aufbringt, einen Rennstall zu eröffnen, da die Fahrer nachweislich hinreichend Erfolg haben. Man stelle sich mal ein Team aus den besten italienischen Fahrer der Professionals vor (Sella, Pozzovivo, Grillo, Mazzanti, Colombo, Gasperoni, Gentili, Marinangeli, Simeoni, Bonomi, Serpellini, Zanotti, Celli, A. Masciarelli, S. Masciarelli, Nocentini, Palumbo, Baldato, Bossoni, Petito, Anza, Barbero, Belli, Furlan, Illiano, Loddo, Missaglia und Aggiano. Dieses Team könnte es spielend mit den meisten Pro Tour Teams aufnehmen – und mit einer starken Führungsfigur entsprechende Erfolge feiern.

Manche Stars weichen wegen Ermangelung an Alternativen daher auch auf ausländischen Arbeitgebern aus, so dass es nicht verwundern sollte, dass ein mögliches Giro-Podium zwar drei Italiener vorne sieht, aber keiner von ihnen bei einem italienischen Rennstall beschäftigt wird (Savoldelli, Simoni, Basso).

Schwachpunkte lassen sich bei den Italienern bei den Rundfahrten erkennen, da lediglich zwei Rundfahrten gewonnen wurde. Besonders außerhalb Italiens scheint der Ehrgeiz der Azzuris eingeschränkter zu sein. Z.B. bei der Vuelta fuhr nur ein Fahrer in die Punkteränge. Dieser Sportler steht aber auch bei einem spanischen Team unter Vertrag (Michele Scarponi).

USA

Das Kontingent an amerikanischen Radsportlern in der Pro Tour im Vergleich zu den italienischen Kollegen ist als mickrig zu bezeichnen. Um so mehr erstaunen muss dann die Tatsache, dass diesen (16 an der Zahl) 2005 vier Rundfahrtsiege und einen Klassikersieg gelangen. Neun US-amerikanische Radsportler können in den Listen der Pro Tour gezählt werden, alleine fünf Fahrer kamen aufgrund des Gesamtklassements der Tour de France in den Genuss von Pro Tour Punkten.

Allen voran schreitet Lance Armstrong, der zum siebten Mal in Folge die Tour de France gewann, bei der er sich im Zeitfahren noch einen Etappensieg sicherte. Bei der Dauphine Libere wurde er sogar noch Vierter.

Auf dem sechsten Tourrang steht Levy Leipheimer (Gerolsteiner). Er feierte drüber hinaus bei der Königsetappe der Deutschland-Tour einen großen Triumph und gewann diese Rundfahrt. Bei einer weiteren Rundfahrt – Dauphine Libere – kam er als Dritter auf das Podium.

Neunter bei der Tour de France wurde Floyd Landis als Kapitän von Phonak. In der Pro Tour blieb er ansonsten aber eher unauffällig.

Auf Platz 14 folgt George Hincapie. Dessen Abschneiden muss etwas verwundern, da der Amerikaner im Verdacht steht, eher Stärken für die Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix und Flandern-Rundfahrt zu haben. Dennoch feierte bei einer Bergankunft der Tour de France einen Etappensieg. Zwei weitere Erfolge steuerte er zudem bei der Dauphine Libere bei. Hincapie blieb außerdem der einzige Amerikaner, der bei den Klassikern punktete. Paris-Roubaix beendete er als Zweiter, während bei der Flandern-Rundfahrt am Ende der siebte Platz erreicht wurde. Da Frankreich im Jahre 2005 für Hincapie ein gutes Pflaster war, sollte nicht verwundern, dass er den GP Ouest-Plouay gewann. Der sechste Platz bei Tirreno-Adriatico rundet eine gute Saison ab.

Ebenfalls als Sieger sollte der 17. der Tour in der abgelaufenen Saison auffallen. Schon zu Saisonbeginn ließ Bobby Julich keinen Zweifel aufkommen, wer bei Paris-Nizza die Nase vorn haben würde. Später in der Saison sicherte er sich auch die Benelux-Rundfahrt, weil er das abschließende Zeitfahren gewinnen konnte. Ihm blieb weiterhin noch der 5. Platz bei der Baskenland-Rundfahrt neben weiteren guten Ergebnissen in der Saison. Bei der WM in Madrid enttäuschte er etwas, als der Gewinner der Bronzemedaille im Zeitfahren bei Olympia 2004 nur den 11. Rang erreichte.

Seine Landsleute sind allgemein gute Kämpfer im Wettstreit mit der Uhr, weshalb nicht verwundern sollte, dass David Zabriskie (CSC) sowohl ein Zeitfahren beim Giro als auch bei der Tour gewann.

Noch ein weiterer Amerikaner gefiel bei einer GT. Tom Danielson belegte bei der Vuelta den siebten Rang. Danielson ist ein Fahrer mit einer viel versprechenden Zukunft. Er könnte in absehbarer Zeit das Zepter bei den wichtigen Rundfahrten schwingen.

Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ist Chris Horner dieser Karriereschritt wohl nicht mehr zuzutrauen. Dennoch wusste er sich in der abgelaufenen Saison gekonnt in Szene zu setzen. Bei der Tour de Suisse wurde der für Saunier Duval startende Horner in der Gesamtwertung Fünfter und freute sich zudem über einen Etappensieg bei dieser Rundfahrt.

Vielleicht etwas durch den späten Zeitpunkt der Rundfahrt begünstigt, konnte auch Saul Raisin (Crédit Agricole) mit einem starken Ergebnis aufwarten. Er wurde bei der Deutschland-Tour immerhin Neunter. Damit deutete er an, dass man ihm für die Zukunft in Bezug auf Rundfahrten im Blick behalten sollte.

Auffällig ist hingegen, dass lediglich Hincapie bei den Klassikern zu Erfolgen und Platzierungen in der Top Ten kam. Zum Teil landeten die Amis in den Klassikern auf indiskutablen Plätzen, mehrfach werden sie unter den ersten 50 überhaupt nicht nachgewiesen. Lediglich Horner schaffte ein bemerkenswertes Ergebnis mit seinem Abschneiden bei der Klasika San Sebastian (12.). Auch bei der WM war kein besseres Ergebnis als der 23. Platz (von Trenti) möglich.

Es ist aber schon recht erstaunlich, welche Erfolge die US-Amerikaner in der Saison erzielten: 16 Fahrer fuhren in der Saison 2005 für Pro Tour Teams. Zehn Fahrer von ihnen schafften den Sprung in das Gesamtklassement der Pro Tour Einzelwertung, davon vier unter den ersten Elf. Dieses ist im Vergleich z.B. zu den Franzosen sehr hervorhebenswert, die 67 Fahrer in die Pro Tour starten ließen, aber nur 12 Radsportler in die Pro Tour Wertung – und dort eher auf den hinteren Plätzen - schleusten… Und wenn man dann nur die Podiumsplatzierungen zum weiteren Vergleich hinzunimmt…

Schweiz

21 Radsportler eidgenössischer Landsmannschaft waren am Start. Also erscheint es legitim, die Ergebnisse der Helvetier mit den Amerikanern zu vergleichen. Die Schweizer haben zwar eine respektable Saison abgeliefert, an die Erfolge der Amerikaner können sie aber nicht heranreichen.

Ein Rennstall aus der Schweiz nimmt an der Pro Tour teil - Phonak. Anhand dieses Teams lässt sich aber schnell erkennen, woran es bei den Eidgenossen hapert. Die Equipe richtet sich signifikant auf die Rundfahrten aus. Folglich benötigt man entsprechendes Personal, um bei diesen Veranstaltungen im Vorderfeld zu landen. Die jeweiligen Kapitäne aber haben meist eine andere Nationalität. Botero ist Kolumbianer, Valjavec Slowene, Landis Amerikaner und Pereiro und Perdiguero sind Spanier...

Zu allem Überfluss fuhr dann auch der beste Schweizer auch noch bei einem anderen Team. Fabian Cancellara, der bei der WM den dritten Rang im Einzelzeitfahren belegte, stand bei Fassa Bortolo unter Vertrag. Neben sehr guten Fähigkeiten im Kampf gegen die Uhr fiel er durch gute Ergebnisse in den Frühjahrsrennen auf. Dafür sprechen der vierte Rang bei Gent-Wevelgem und der achte bei Paris-Roubaix. Außerdem pedalierte er bei den HEW-Cyclassics auf den vierten Platz. Einen Etappensieg feierte er im Rahmen von Paris-Nizza.

Martin Elmiger ist der zweitbeste Schweizer lt. Pro Tour. Er fährt für das einheimische Phonak Team. Zwei Platzierungen unter den besten Zehn bei Klassikern stehen für ihn zu Buche. Er wurde Sechster bei den HEW-Cyclassics und Achter bei der Lombardei-Rundfahrt.

Der nächste Schweizer ist Marcus Zberg, der seine Brötchen bei Gerolsteiner verdient. Er unterstrich seine Ambitionen durch einen achten Gesamtrang bei Tirreno-Adriatico. Ferner fand man ihn als sechstplatzierten Fahrer in der Ergebnisliste des GP Ouest-Plouay wieder. Damit landete er (94.) in ähnlichen Regionen der Pro Tour Gesamtwertung wie sein Landsmann Elmiger (89.).

In der Nähe (97.) tummelt sich auch Alexandre Moos, der ebenso bei Phonak unter Vertrag steht. Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen aber zählt er zu den Rundfahrtspezialisten und hielt die Landesfarben bei der Tour de Romandie als Sechster hoch. Dort war allerdings seine Hauptaufgabe, seinem Kapitän und späteren Triumphator Santiago Botero zu sekundieren.

Nur wenige Plätze hinter ihm rangiert in der Pro Tour Fabian Jeker, der im Trikot von Saunier Duval die Saison bestritt. Bei keiner GT kam er zum Einsatz, sondern er war für die Tour de Suisse als Leader vorgesehen. Dort aber kam er nicht in den Tritt. Erst bei der Deutschland-Tour trat er in Erscheinung und konnte am Ende den siebten Platz belegen. So wie es aussieht, wird er aber nicht mehr bei den Veranstaltungen der Pro Tour zu sehen sein, da er vermutlich seine Karriere beendet.

Der Bruder von Marcus Zberg, Beat (auch Gerolsteiner), zeigte sich nach überstandener Verletzung in Action. Er erstritt bei der heimischen Tour de Suisse einen siebten Rang. Ein Etappensieg aber war ihm in der Rundfahrt nicht vergönnt, den ergatterte sein Landsmann Michael Albasini, der das Trikot von Liquigas-Bianchi trägt.

Helvetische Sprinter sind eher Mangelware. Eine Ausnahme bildet Aurelien Clerc, der in der vergangenen Saison immerhin den sechsten Platz bei Paris-Tours erreichte. Zudem erreichte er im Dress von Phonak noch einige achtbare Ergebnisse.

Beim einzigen helvetischen Klassiker der Pro Tour, Züri-Metzgete, wäre kein Schweizer in der Top Ten gelandet, wenn nicht ein in Wolmirstedt geborener Fahrer die Schweizer Staatsbürgerschaft beantragt hätte. Steffen Wesemann, der schon lange bei den Eidgenossen lebt, trug auch schon bei der WM das Trikot der Schweizer. Seine Stärke liegt eigentlich in Flandern und bei Paris-Roubaix. Aber der T-Mobiler setzte sich vor neuem eigenem Publikum gleich eifrig in Szene und erreichte einen sechsten Platz.

Die Eidgenossen durchschreiten derzeit sicherlich kein radsportlerisches Wellental, allerdings sind die besseren Tage zunächst vorüber. Axel Zülle, Oscar Camenzind und Laurent Dufaux sind von der Bildfläche verschwunden, ihre Erben haben es nicht ganz so einfach. Mit Cancellara wächst sicherlich jemand heran, der vermutlich bei den Klassikern zu exzellente Erfolgen fähig ist. Es sind auch noch genügend Fahrer vorhanden, die bei kleineren Rundfahrten weiter vorne landen können. Aber gerade für die Rundfahrten zeichnet sich für die Zukunft ab, dass es in absehbarer Zeit kaum jemanden gibt, der in Podiumsnähe landen kann. Jeker uns Moos sind auf der Zielgerade ihrer Karriere, von den Zberg-Brüder kann man sicherlich auch nicht mehr so viel erwarten. Sieht man von Cancellara ab, stellt sich die Frage, ob die übrigen Fahrer in der Lage sein werden, sich noch weiter steigern.

Es stellt sich gerade in der jetzigen Zeit die Frage, ob es einen Sponsor in der Schweiz gibt, der möglicherweise den Staffelstab von Phonak als Geldgeber übernehmen will. Er muss nämlich damit rechnen, dass es weniger die eidgenössischen Fahrer sein werden, die durch hervorragende Ergebnisse auf sich aufmerksam machen.



Geschrieben von Momo am 19.01.2006 um 11:54:

 

beifall

Mensch... sehr schön.... und was für eine Arbeit!!! ja großer meister...

Lachen musste ich ja über: "während bei der französischen Equipe der einzige Ausländer - der spanische Baske Unai Yus - während der Saison vor die Tür gesetzt wurde."

Ich meine, du hast schon Recht laut lachen aber es klingt so merkwüdig Tränen lachen

Und bei den Bäckern fährt ja mit Xavier Florencio diese Saison schon wieder ein Spanier (ein spanischer Katalane diesmal) großes Grinsen


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