Cycling4Fans - Forum (http://forum.cycling4fans.de/index.php)
- Radsport (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=19)
-- Die Profi-Szene (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=1)
--- Saisonbilanz Rabobank (http://forum.cycling4fans.de/thread.php?threadid=18342)


Geschrieben von Steamboat am 08.12.2005 um 02:19:

  Saisonbilanz Rabobank

Am grünen Tisch… oder im Labor fiel die letzte Entscheidung der Pro Tour. Denis Menchov wurde nachträglich der Sieg bei der Vuelta 2005 zugesprochen, weil er dem bisherigen Sieger Roberto Heras aufgrund einer positiven Dopingprobe (EPO) aberkannt wurde.

Es ist nicht bekannt, ob der Jubel grenzenlos war. Siege, die nicht direkt nach dem Wettbewerb gefeiert werden, weil man glaubt, es habe ein anderer gewonnen, rufen hernach kaum euphorische Glücksgefühle hervor. Es überwiegt die Verärgerung über den, der den Sieg auf unsaubere Art und Weise sich erkämpft hat. Auch im Nachhinein werden dem Übeltäter die Schlagzeilen gehören, während der eigentliche Sieger, der hoffentlich sauber ist, fast in Vergessenheit gerät. Zudem lässt sich ja auch nicht ganz klären, ob Heras nicht auch unter der normalen Umständen doch gewonnen hätte. Dieser Sieg stellt trotzdem das Highlight in der Saison der Niederländer dar.

Und dennoch wird ein anderer Erfolg den Gesamtsieg in Spanien eindeutig überstrahlen. Der Däne Michael Rasmussen gewann bei der Tour de France das begehrteste Bergtrikot des Radsports – das weiße Trikot mit den roten Punkten hatte er unter aufopferungsvollen Kampf aus Frankreich entführen können.

In Erinnerung bleiben werden ferner die beherzten Auftritte der jungen Wilden. Rabobank hat sehr viele junge Fahrer im Team, die auf der großen Bühne durch starke Auftritte zu gefallen wussten und einige ältere Akteure dadurch etwas in den Hintergrund drängten. Die Rede ist von Thomas Dekker, Pieter Weening und Joost Posthuma. Alle drei konnten bei den Pro Tour Rundfahrten mindestens einen Etappensieg erzielen. Aber der Reihe nach.

Die Kapitäne

Bei Rabobank war von vorneherein eine eindeutige Zuordnung der einzelnen Rennbereiche der Pro Tour für bestimmte Fahrer auszumachen. Sprintrennen wie Mailand-San Remo gingen an Freire. Die Ardennen-Klassiker sowie die Kapitänsrolle bei einem Teil der kürzeren Rundfahrten fielen Michael Boogerd zu. Bei großen Rundfahrten sollten Rasmussen und Menchov sich die Verantwortung teilen, während Altmeister Erik Dekker nach einer langwierigen Verletzung wieder bei den kleineren Rundfahrten Fuß fassen sollte. Zudem sollte der ambitionierte Zeitfahrer Thomas Dekker (beide sind nicht verwandt) an größere Herausforderungen herangeführt werden. Nur wer bei den Rennen in Flandern und bei Paris-Roubaix das Zepter in den Händen halten sollte, stand nicht so einwandfrei fest. Offensichtlich durften die Fahrer Karsten Kroon, Steven De Jongh und Erik Dekker je nach Situation frei und spontan entscheiden.

Hauptziel war natürlich ein gutes Abschneiden bei der Tour de France. Im Vergleich zu den anderen beiden GTs wurde für das Rennen in Frankreich auch das nominell stärkste Team aufgestellt. Dabei waren die Rollen klar verteilt. Menchov sollte der Mann für das Gesamtklassement sein, Rasmussen sollte seine Chancen für das Bergtrikot suchen und, nachdem Freire verletzungsbedingt nicht antreten konnte, sollte Erik Dekker versuchen, in Fluchtgruppen mitzufahren.

Bereits auf der achten Etappe von Pforzheim nach Gerardmer wurde Rabobank zum ersten Mal für Wagemut belohnt. Pieter Weening hatte eine Flucht gewagt und Klöden hatte kurz vor dem Zielort aufgeschlossen. Da Klöden vorrangig das Ziel verfolgte, Armstrong möglichst viel Zeit abzunehmen, ließ er sich zu keinen Scharmützel ein und riskierte dabei, vom Niederländer überspurtet zu werden. So geschah es auch, selbst wenn es zunächst keiner gesehen hat; denn Weening lag nur um 9,6 Millimeter vorn. Aber das war erst der Auftakt des Rabobank-Teams. Am nächsten Tag folgte der schon nächste Streich.

Der Däne Rasmussen hatte sich alleine auf den Weg gemacht, um sich das Bergtrikot zu erobern. Nebenbei setzte er sich unerreichbar für ein Verfolgerduo, bestehend aus Christophe Moreau und Jens Voigt, ab, so dass er ungefährdet und als Sieger das Ziel erreichte. Am nächsten Tag überraschte er Armstrong, dem er nach seinem Soloritt in der Gesamtwertung auf die Pelle gerückt war, damit, dass er sich im Gegensatz zu vielen anderen Favoriten – und der war Rasmussen noch gar nicht – beinahe nicht abschütteln ließ und erst kurz vor dem Ziel in Courchevel doch noch abgehängt und Dritter wurde.

Über Nacht war Rasmussen damit eine ernsthafte Bedrohung vielleicht nicht für Armstrong aber doch für die anderen namhaften Favoriten geworden. Nachdem sein Teamkollege Menchov aufgrund mangelnder Genesung viel Zeit schon verloren hatte, war Rasmussen jetzt selbstverständlich auch uneingeschränkter Kapitän der Mannschaft. Diese hatte ihrerseits nun die Aufgabe, dem Skandinavier auf dem entsprechenden Kurs zu halten und das Bergtrikot abzuschirmen.

Rasmussen erwehrte sich lange Zeit tapfer im Kampf um das Podium. Zunächst musste er Ivan Basso nach der 15. Etappe im Gesamtklassement passieren lassen, da er auf Dauer dem Italiener nicht mehr folgen konnte. Aber mit Jan Ullrich entbrannte ein heißer Kampf um den dritten Rang, bei dem sich der Deutsche nur peu a peu Rasmussen näherte und stets nur wenige Sekunden vom Vorsprung des Dänen wegknabberte, so dass der Gewinner des Bergtrikots mit einem Abstand von zwei Minuten und 12 Sekunden ins Zeitfahren von Saint Etienne ging. Zwar musste man damit rechnen, dass Ullrich in seiner Paradedisziplin diesen Rückstand aufholen würde, aber Rasmussen hatte bereits sehr nachdrücklich bewiesen, dass er bei dieser GT zu allem fähig sei und damit wurde es spannend.

Leider sollte bei diesem Zeitfahren Glückgöttin Fortuna mit dem Dänen nicht im Bunde stehen. Schon früh stürzte er und sehr schnell zerschmolz sein Vorsprung. Noch während der Etappe dämmerte es ihm, als Ivan Basso ihn passierte – Rasmussen war drei Minuten vor dem Italiener gestartet -, dass es wohl nicht zum Podium reichen würde. Dazu verfolgte ihn noch das Pech, dass sein Zeitfahrrad einen Defekt hatte und er mit den ungezählten Ersatzrädern auf Kriegsfuß stand. Eines dieser Gefährte warf ihn nochmals sehr spektakulär ab. Schließlich sah er auch noch den sechs Minuten nach ihm gestarteten Armstrong hinterher. Er konnte einem Leid tun, dass er den Kampf um Platz drei so haushoch verloren hatte und sich in der Gesamtwertung nur noch auf dem siebten Platz wieder fand. Andererseits konnte man vorab nicht mit dieser Platzierung rechnen und so überwog auch eher die Freude über die gewonnene Bergwertung.

Weitere Platzierungen auf Tagespodien gab es für Rabobank keine mehr. Lediglich Boogerd schaffte bei einer Etappe noch den vierten Platz. Der Niederländer ging wie üblich im Wirrwarr der anderen Stars bei einer GT unter. Dass er mal als Mitfavorit für das Podium vor vielen Jahren galt, erzählt man heutzutage besser nicht mehr.

Denis Menchov brillierte stattdessen in Spanien. Ähnlich wie sein Gegner Heras war er bei der Tour de France stets hinterher gefahren. Allerdings ließ sich sein Abschneiden mit einer Erkrankung und Verletzung noch erklären, während der Grund für das dürftige Wirken des Spaniers in Frankreich offenkundig eine andere Ursache hatte. Menchov hoffte, sich bei der Vuelta für die Leistungen in Frankreich zu rehabilitieren.
Bereits das Auftaktzeitfahren gewann er. Auch das zweite Zeitfahren (neunte Etappe) sicherte er sich. Dazu addierten sich noch jeweils ein zweiter und ein dritter Etappenplatz bei Bergetappen. Merkwürdigerweise war er – dem in der Gesamtwertung enteilten – Heras beim Zeitfahren am Vorschlusstag unterlegen. Das verwunderte sehr, da Heras beileibe kein Spezialist im Kampf gegen die Uhr ist. Menchov belegte an dem Tage gar nur den vierten Platz, der durch die Disqualifikation von Heras später auf den dritten korrigiert wurde. Hernach darf sich der Russe mit dem Gesamtsieg in seiner Wahlheimat schmücken. Aber darüber wurde ja bereits weiter oben berichtet.

Um die GTs abzurunden, sei auch das Ergebnis des besten Rabobankers beim Giro genannt. Menchovs Landsmann Alexandr Kolobnev verfehlte Pro Tour Punkte, da er nur 21. wurde. Beim Giro waren die Resultate des Teams ansonsten eher dürftig. Thomas Dekker konnte bei seinem GT-Debut kaum Akzente setzen, während der junge Theo Eltink immerhin den 29. Platz erfuhr. Eltink ging im Restjahr neben den anderen jungen Fahrern etwas unter, deswegen wird sein Endresultat des Giros explizit genannt. Auch auf ihn sollte man künftig achten.

Michael Rasmussen sollte in der Saison nicht mehr weiter auffallen, während Menchov auch noch weitere Ergebnisse erbrachte. Die Tour de Romandie beendete er auf dem Podium als Dritter. Zwar konnte er bei keiner Etappe mit Siegersekt anstoßen, aber zumindest reichte es für einen zweiten Etappenplatz. Etwas unglücklich verpasste er den Einzug in die Top Ten bei der Baskenland-Rundfahrt, wo ihm nur der 11. Platz blieb.

Einen weiteren Sieg bei einer Rundfahrt konnte Rabobank auch vermelden. Etwas überraschend sicherte sich den Oscar Freire. Da der diesjährige Streckenverlauf von Tirreno-Adriatico die Sprinter begünstigte, freute sich der Spanier über einen Gesamtsieg. Bei dieser kleinen Rundfahrt ließ er sich nicht lange bitten und räumte mit drei Etappensiegen sowie mit dem Gewinn der Punktwertung kräftig ab. Schon war es dann leichter zu verschmerzen, dass die Titelverteidigung bei Mailand-San Remo nicht möglich war und nur der fünfte Platz am Ende heraussprang.

Freire bewies etwas unerwartet Stehvermögen in den Ardennen. So belegte er beim Fleche Wallone den fünften Platz, während er beim Amstel Gold Race immerhin noch Zehnter wurde. Danach fiel Freire für den Rest der Saison aufgrund einer Verletzung aus, weshalb er „nur“ 19. in der Gesamtwertung der Pro Tour werden konnte. Bei weiterer Teilnahme wäre vermutlich der Sprung unter die ersten Zehn machbar gewesen.

Den schaffte Menchov, der auf den achten Rang vorstieß. Rasmussen nahm mit dem 47. Platz vorlieb. Der geneigte Leser wird nun den Eindruck haben, dass der Autor einige Fahrer des Teams bis zu dieser Textstelle übersprungen haben muss. Dem ist auch so. Auf Rang 16 der Pro Tour steht nälich Michael Boogerd, der in diesem Text lediglich mit Schelte bezüglich seines Abschneidens bei der Tour bedacht wurde.

Es gibt genügend Gründe, ihn zu loben. Erneut wagte er sich an die Ardennen-Klassiker heran, erneut jagte er beim Amstel Gold Race den Windmühlen hinterher. 1999 konnte er dieses Rennen einmal gewinnen, seitdem wurde er einschließlich dieser Saison viermal Zweiter. Zum dritten Mal in Folge musste er sich einem anderen Fahrer beugen.

Ebenso erreichte er auch zum dritten Mal in einer Reihe das Podium in Lüttich. Allerdings stand er auch bei diesem Rennen niemals ganz oben. Nachdem er 2003 Dritter und 2004 Zweiter bei Lüttich-Bastogne-Lüttich war, so sollte es 2005 wieder der dritte Platz sein. Boogerd ist der Ullrich der Ardennen, das muss frustrierend sein.

Da müssen der siebte Platz bei der Baskenland-Rundfahrt und der der sechste Rang im Rahmen der Polen-Rundfahrt reine Erholung sein, da er sich nun ja nicht ärgern musste, dass er erneut so knapp nur einem anderen oder bestenfalls nur zwei anderen unterlegen war. Vermutlich wird Boogerd aber auch 2006 sein Glück wieder in den Ardennen suchen.

Auf Rang 35 der Pro Tour folgt Dekker. Aber nicht der Routinier Erik sondern sein Namensvetter Thomas hat sich an dieser Stelle platzieren können. Thomas Dekker wusste in Polen durch einen Etappensieg zu überzeugen. Diesen erreichte er im Kampf gegen die Uhr. Das Zeitfahren zählt ohnehin zu seinen Stärken, wie auch die entsprechende diesjährige Landesmeisterschaft beweist. Neben seinem Teamkameraden Weening nahm er auf dem Siegerpodest Platz, bei dem Weening den zweiten Rang – auch er steuerte einen Etappensieg bei - und Dekker den dritten Platz belegte.

Bei der Benelux-Tour schaffte der junge Niederländer den vierten Platz. Dabei unterlag er seinem Namensvetter, der bei der Rundfahrt durch die Niederlanden, Belgien und Luxemburg Zweiter wurde. Erik Dekker wurde in der Pro Tour Wertung 55. während Weening immerhin auf der 47. Position steht.

Erik Dekker verfehlte weitere Pro Tour Punkte, als er im Rahmen der Rundfahrt Paris- Nizza nur auf den 11. Rang pedalierte. Bei dem „Rennen zur Sonne“ schaffte ein anderer Nachwuchsfahrer einen Abschnittssieg. Joost Posthuma konnte nach einer Solofahrt seinen bisher größten Erfolg einer noch jungen Laufbahn feiern.

Nicht mehr ganz so jung ist der Sieger einer Etappe der Katalonien-Rundfahrt, aber gefreut hat sich Pedro Horrillo auch. Der Spanier stellte sich meist in den Dienst seines Landsmannes Freire, so dass Siege von ihm nicht so häufig zu begutachten sind. Beide Rabobankfahrer (Horrillo, Poshuma) schafften in der Pro Tour den 164. Rang. Bei Paris-Roubaix blieb er zwar bester seines Teams, etwas mehr als den 19. Rang hatten sich die Verantwortlichen für den besten Akteur schon vorgestellt. Allerdings hatte man dafür auch jemand anderen als den Spanier vorgesehen.

Einige Punkte ließ die Equipe buchstäblich auf der Straße liegen. So sammelte der erwähnte Weening in der vergangenen Saison viele Erfahrungen. Einige davon sind auch die, dass er Einzüge in die Top Ten von Rundfahrten verfehlte. Bei der Deutschland-Tour war es der 13. Platz und bei der Dauphine Libéré der 23. Rang, während er der beste seines Teams bei der Volta A Catalunya als 31. wurde.

Jemand, der völlig ohne Pro Tour Punkte blieb, wurde in Flandern 11. Karsten Kroon, der selber auf seinen ganz großen Durchbruch am meisten wartet, schaffte auch 2005 den großen Durchbruch nicht. Im Gegenteil, dieser 11. Platz war noch eines seiner besseren Ergebnisse diese Saison. Im Rahmen der Pro Tour musste er nicht selten mit hinteren Plätzen vorlieb nehmen.

Zumindest neben der Pro Tour hatte Steven de Jongh mehr Fortune. Innerhalb der Rennserie musste auch er sich mit seiner Punktlosigkeit begnügen. Platz 14 bei Gent-Wevelgem war sein bestes Ergebnis. Auch der 22. Platz von Paris-Tours kann nachträglich noch angegeben werden, aber ansonsten verlief der erste Durchlauf der Pro Tour nicht gänzlich zu seiner Zufriedenheit.

Rabobank belegte in der Teamwertung der Pro Tour den 3. Platz. Dieses Abschneiden stimmt mit dem Abschneiden der Equipe im Rahmen der Pro Tour überein, nimmt man die addierten Punkte aller Fahrer als Grundlage. Beim Mannschaftszeitfahren im heimischen Eindhoven schaffte das Team den vierten Rang. Die Equipe bestand aus beiden Dekker, Rory Sutherland, Gerben Löwik, Posthuma und Marc Wauters. Letzterer konnte übrigens in Belgien Landesmeister im Zeitfahren werden.

Outside Pro Tour

Außerhalb der Pro Tour feierte das niederländische Team noch eine Reihe bemerkenswerter Erfolge. Bei der renommierten Rundfahrt Criterium International in Frankreich gelang Thomas Dekker ein starker Etappensieg sowie ein toller zweiter Gesamtplatz. Ferner sicherte er sich den Sieg beim GP Stad Zottegem - Dr. Tistaert Prijs (1.1).

Dass der Spanier Freire bereits früh im Jahr im heimischen Spanien sich genötigt fühlt, gute Leistungen abzuliefern, ist nachvollziehbar. So kann man erklären, dass er bereits im Februar bei der Trofeo Mallorca als auch bei der Trofeo Alcudia (1.1) erfolgreich war. Aber auch beim „Pfeil von Brabant“ (1.1) konnte er zuschlagen, was doch überraschend ist, weil dieses Rennen im so genannten belgischen Frühjahr stattfindet. Dass er dort einen solchen Erfolg davon tragen konnte, damit ließ sich nicht rechnen.

Von Thorwald Veneberg war bisher im Text nicht die Rede. Ein 92. Platz bei der Vuelta bietet dafür auch keinen Anlass. Dafür fühlte er sich dem Untergrund beim „Groten Scheldeprijs“ (1.HC) in Flandern vertrauter. Dort siegte er, nachdem er sich zusammen mit dem Litauer Vaitkus vom Peloton absetzen konnte. Ansonsten blieb der Amsterdamer in der Saison unauffällig.

Steven De Jongh entschied das Rennen „Nokere-Koerse“ (1.1) zu seinen Gunsten. Hervorhebenswert ist sein dritter Platz beim Omloop Het Volk (1.HC), bei dem er sich lediglich seinen zukünftigen Mannschaftskameraden Nick Nuyens und Tom Boonen beugen musste.

Auch wenn Joost Posthuma bereits bei Paris-Nizza eine Etappe gewonnen hatte, so war sein Erfolgshunger noch nicht gestillt. Den GP Jef Scherens Leuven (1.1) konnte er gewinnen. Bei dem Rennen belegte Teamkamerad Sutherland aus Australien übrigens den dritten Platz.

Ebenfalls nicht gesprochen wurde über das Abschneiden von Bram De Groot während der Saison. Innerhalb der Pro Tour fiel er diesbezüglich durch Zurückhaltung auf. Erfolge feierte er dennoch. So siegte er bei der Delta-Ronde van Midden-Zeeland (1.1). Außerdem freute er sich über den Gesamtsieg der UNIQA Classic (2.1).

Ebenfalls jubeln nach einem Sieg bei einer Rundfahrt konnte der Australier Mathew Hayman. Er war bei der Internationalen Sachsen-Tour (2.1) überaus erfolgreich, nachdem ihm andere Erfolge versagt blieben.

Immerhin zu einem Etappenerfolg langte es für Maarten den Bakker. Diesen stellte er bei der Internationalen Österreich-Rundfahrt (2.1) sicher. In der nächsten Saison wird der Altmeister im Übrigen Erik Zabel und Alessandro Petacchi bei Team Milram unterstützen.

Auch ein junger Finne konnte sich mit einem Erfolg beweisen. Jukka Vastaranta, der überdies Dritter bei der Tour de Luxemburg geworden war, freute sich über seinen ersten Sieg bei den Profis im Rahmen der STER Elekrotoer (2.1).

Nicht so erfolgreich verlief die Saison für den einzigen deutschen Fahrer im Team, Grischa Niermann aus Hannover. Niermann gehörte zu der Delegation, die beim Giro antreten mussten. Er selbst war an der teaminternen Auswahl für die Tour gescheitert. Er konnte die Teamleitung in Italien nicht vom Gegenteil überzeugen. Es reicht nicht, bei der Etappe über den Colle Finestre nur der Spitzengruppe anzugehören. Man muss auch mal zumindest in Podiumsnähe kommen. Allerdings lagen die erforderlichen Plätze dafür in dieser Saison außerhalb seiner Reichweite.

Leider machte in der Saison auch der junge Australier Rory Sutherland noch einmal von sich reden. Er wurde bei der Deutschland-Tour des Dopings überführt, wenngleich die Substanz bisher nicht der Öffentlichkeit genannt wurde. Rabobank hat den Australier umgehend entlassen.

Damit hat er am Anfang seiner Karriere schon viel verloren, womit das Stichwort für die teaminternen Tops und Flops erbracht wurde:


Tops und Flops
Gewinner

• Denis Menchov: Sein nachträglicher Sieg hat Rabobank bewiesen, dass er eine Investition für die Zukunft ist. Vielleicht schlägt seine Stunde bereits bei der Tour de France 2006?
• Michael Rasmussen: Dass ausgerechnet ein Däne, der nicht für Bjarne Riis fährt, in den Bergen von Frankreich sich so wohl fühlt, muss man schon als Überraschung werten. Ob er aber jemals dem Podium wieder so nahe sein wird?
• Pieter Weening: Eine sehr couragierte Leistung bot der junge Niederländer. Diese wurde mit einem Etappensieg bei der Tour und dem Podium in Polen belohnt. Welches Juwel reift da heran?

Verlierer:
• Rory Sutherland: Ein Australier auf Abwegen. Wie kam er an das verfluchte Dopingzeugs?
• Grischa Niermann: Der Hannoveraner ging unter. Nicht mehr für die Tour nominiert und auch keine guten Ergebnisse. Steht da ein Tapetenwechsel ins Haus?
• Karsten Kroon: Der Niederländer vermochte in der vergangenen Saison keinerlei Akzente zu setzen. Seinem eigenen hohen Anspruch konnte er 2005 nie gerecht werden. Nun versucht es mit einem anderen Trikot. Erfolgreicher?

Ausblick auf 2006

Rabobank gab zur neuen Saison nur Personal ab, das man z.T. sogar teamintern ersetzen kann. De Jongh (zu Quick Step) und Kroon (zu CSC) haben 2005 nicht gerade überzeugt. Im Team wachsen so viele junge Männer und Talente heran, dass man sich von einer Schicht älterer Fahrer beruhigt trennen kann. Was Weening, Thomas Dekker, Posthuma und Eltink in der abgelaufenen Saison zeigten, macht Mut, diesen Weg des Mannschaftsaufbaus zu gehen. Dass nicht jedes Terrain auf Anhieb gleich mit starken Fahrern besetzt wird, ist dann verständlich.

Deswegen wurde der Spanier Juan Antonio Flecha verpflichtet, der die Mängel des Teams bei den Frühjahrsmonumenten in Flandern und bei Paris-Roubaix beheben soll. Seine Platzierungen geben Anlass, ihm gerade bei diesen Rennen mal einen Sieg zuzutrauen.

Zudem wurde Graeme Brown von Panaria geholt. Der australische Sprinter wird vermutlich beim Giro getestet, wie und ob er gegen die Konkurrenz mithalten kann. Welches Potential in Bezug auf Klassiker besteht, muss erst noch festgestellt werden.

Vielleicht stößt der Kolumbianer Mauricio Alberto Ardila noch zum Team. Momentan laufen diesbezüglich undurchsichtige Verhandlungen. Zwischenzeitlich wurde bereits Vollzug gemeldet, während der bisherige Arbeitgeber eine Einigung dementiert.

Rabobank wird als Hauptziele weiterhin die Tour der France und die Ardennen im Focus haben. Bei der Tour wird vermutlich das Team für den Russen Menchov agieren. Man muss abwarten, ob Rasmussen auch wieder um das Bergtrikot fahren wird.

Sicherlich werden erfreulicherweise weitere junge Fahrer ins Team drängen. Es wäre eine große Überraschung, wenn Thomas Dekker in dem Aufgebot neben Weening und Posthuma fehlen würde. Mit Niermann sollte man aber nicht rechnen.

Freire wird hoffentlich genesen, um bei den Klassikern in der ersten Hälfte des Jahres zu brillieren bzw. bei Etappenrennen mit Bravour an den Start zu gehen.

In den Ardennen wird sich Boogerd wieder versuchen. Irgendwie muss doch mal ein Klassikersieg vor dem Rücktritt klappen. Auch Erik Dekker möchte sich mal wieder beweisen. Er wird im neuen Jahr ausgiebig Gelegenheit dafür bekommen.

Ansonsten, genießt den Siegersekt von Menchov in Spanien. Den Erfolg habt Ihr verdient, lasst Euch diesen auch schmecken.

Weitere Infos: http://www.cycling4fans.de/?id=1675



Geschrieben von ogkempf am 08.12.2005 um 06:59:

  Karsten Kroon

ist wohl die stärkste Saison seiner Karriere gefahren und verlässt das Team nur, weil er bei Rabobank nicht an Boogerd und Dekker vorbeikann, oder wie er es selbst empfindet, -darf.
Ich würde ihn nicht zwingend zu den Topps setzen wollen, weil Rabobank da diese Saison einfach sehr viele hat (T.Dekker), aber ein Flop ist er mE wirklich überhaupt nicht.

Flops sind für mich eher Kolobnev, Löwik (Verletzungen), Dekker, Freire (Verletzungen), Scheuneman oder Wielinga.



Geschrieben von Steamboat am 08.12.2005 um 09:37:

 

Ich wusste, dass von dir ein Einwand kommen würde. Ich habe mir aber bewusst seine Rennergebnisse dieses Jahr angeguckt und da eben festgestellt, dass er eben fast nichts geholt war.

Bei Dekker habe ich tatsächlich überlegt, fand aber, dass er dennoch eine passable Saison hingelegt hat. Auch Freire kam für mich nicht in Frage, weil er trotz Verletzung doch einiges gewonnen hat.

Dein angeführter Grund mit Dekker und Boogerd in Bezug auf Kroon ist mir geläufig, dennoch bräuchte ich von dir mehr Input, damit ich von meiner Fehleinschätzung überzeugt bin.



Geschrieben von ogkempf am 08.12.2005 um 13:20:

 

Also an Ergebnissen kann ich auch nur Het Volk (9.) Flandern (13.?) und den Pf.v.Brabant verweisen.

Beim Amstel war Kroon (laut Eigenaussage) in einer Siegposition. Aber er durfte nicht mitführen, weil Boogerd hinten saß. Daraufhin wurde seine Gruppe wieder gestellt und er musste den Rest des Weges schuften. Das war wohl das Rennen, bei dem sein Entschluss das Team zu verlassen fiel.
Mehr konkrete Situationen habe ich jetzt aber auch nicht im Hinterkopf.

Aber ein starkes Renne weiß ich noch. Am Henninger war er auch in der ersten Gruppe dabei. Ist am Ende aber nicht wirklich weit vorn gelandet, da ich live vor Ort gewesen bin, weiß ich aber nicht woran das lag.



Geschrieben von Steamboat am 08.12.2005 um 14:02:

 

In meiner Wahrnehmung ist er ein Typ, der zwar immer hohe Ansprüche hat, aber das entsprechende Ergebnis nicht vorlegen kann. M.a.W. er kommt etwas vorlaut und großspurig rüber.

Auch in dieser Saison gab es nicht ein Ergebnis, das im Vergleich zu den anderen besteht. Kein Etappensieg, keine Pro Tour Punkte und so. Deswegen macht sich natürlich so etwas in seiner Rezension bemerkbar.


Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH